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LONDON-KONFERENZ
Johanna Metz/dpa
»Wir werden bei jedem Schritt bei Euch sein«

Die internationale Gemeinschaft sichert Afghanistan Hilfe auch nach Abzug der Nato-Truppen zu

Mit dem Rückzug der Nato-Truppen gehe auch das Geld, warnte Graeme Smith von der International Crisis Group kürzlich. „Afghanistans Wirtschaft ist eine Kriegsblase und wir sehen, wie ihr langsam die Luft ausgeht.“ Um das zu verhindern und Solidarität bei den westlichen Partnern auch über den endenden Nato-Einsatz hinaus einzufordern, war Afghanistans neuer Präsident Ashraf Ghani vergangene Woche nach Europa gereist – erst zur Nato-Konferenz nach Brüssel, dann nach London zu einer Konferenz über die Zukunft seines Landes und anschließend nach Berlin, wo er Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) traf. Ghani kehrte mit guten Nachrichten nach Kabul zurück: Die Regierungen sparten hier wie dort nicht mit Hilfszusagen für die Zeit nach Abzug der ISAF-Truppen.

Mit der geplanten Beteiligung an der Ausbildungsmission „Resolute Support Mission“ solle die Unterstützung fortgesetzt werden, sagte Merkel beim Treffen in Berlin. Die Zusammenarbeit werde sich außerdem auf Wirtschaftsentwicklung und das Bildungswesen konzentrieren. Ghani dankte für Deutschlands Unterstützung und würdigte die im Einsatz getöteten Bundeswehrsoldaten. Er sicherte zu, auch die Korruption und den Drogenhandel zu bekämpfen. „Wir reden Probleme nicht klein.“ Merkel sprach zudem mit dem afghanischen Regierungsgeschäftsführer Abdullah Abdullah. Der frühere Außenminister hatte bei der diesjährigen Präsidentschaftswahl gegen Ghani kandidiert. Nach längerem Zwist über das Wahlergebnis einigten sich beide Politiker auf die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit (siehe Seite 3).

Auch die Briten und US-Amerikaner sicherten Afghanistan eine fortdauernde Unterstützung zu. Großbritanniens Außenminister Philip Hammond bekräftigte die Zusage seiner Regierung, „das afghanische Volk dabei zu unterstützen, seine Wirtschaft zu entwickeln, seine Rechte umzusetzen und Beziehungen in der Region aufzubauen“. Premier David Cameron versicherte Ghani: „Wir werden bei jedem Schritt auf diesem Weg bei Euch sein.“ US-Außenminister John Kerry appellierte auch an andere westliche Regierungen: „Wir müssen alle helfen.“

Ghani machte seinerseits Versprechen. In den kommenden fünf Jahren wolle er die Lage von Frauen, der Jugend und der Armen verbessern. Zudem schlug er vor, Hilfszahlungen der Geber künftig nicht mehr an Projekte, sondern an Ergebnisse zu knüpfen. Ghani zeigte sich zuversichtlich, sein Land nach Ende des Nato-Einsatzes in eine friedliche und wirtschaftlich erfolgreiche Zukunft führen zu können. „Wenn es die Wahrnehmung gibt, dass dieser Staat wegen der Sicherheit vor dem Zusammenbruch steht, ist das ein Trugschluss“, betonte Ghani.

Konkrete Zusagen gab es auf der Londoner-Konferenz, an der Delegationen aus mehr als 70 Ländern teilnahmen, allerdings kaum. Die nächsten Monate werden zeigen müssen, wie viel dem Westen sein Versprechen, Afghanistan nicht allein zu lassen, wert ist.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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