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Vor 65 Jahren...
Benjamin Stahl
Der Kanzler zu Weihnachten

25.12.1949: Erste Weihnachtsansprache Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in wenigen Tagen wieder ihre alljährliche Ansprache an „die lieben Mitbürgerinnen und Mitbürger“ hält, wird wohl wie jedes Jahr im Hintergrund der Christbaum vor dem Reichstag zu sehen sein. Weihnachten ist dann aber schon vorbei: Während die Kanzlerin die Neujahrsansprache hält, sind die Weihnachtsansprachen dem Bundespräsidenten vorbehalten. Das war nicht immer so. Bis 1969 sprachen die Kanzler an den Festtagen zu den Deutschen. Das erste Mal Konrad Adenauer (CDU) am 25. Dezember 1949.

Adenauer einigte sich damals mit Bundespräsident Theodor Heuss (FDP) auf diese Verteilung, die ganz im Sinne des Kanzlers gewesen sein dürfte. Adenauer galt als gläubiger Katholik und verwob in seinen Reden Politisches mit Religiösem. Einige vergleichen seine bis zu zehn Minuten langen Weihnachtsansprachen gar mit Predigten. Die erste fiel allerdings noch kurz aus. Der Kanzler erinnerte darin unter anderem an das Schicksal der Kriegsgefangenen und die Hoffnung, dass deren „Tragödie (…) im kommenden Jahr zu Ende geht“. Gleichzeitig sagte er mit Blick auf die „hinter uns liegende Katastrophe“, dass doch schon „vieles erreicht ist“. Adenauer schloss mit den Worten: „Wir hoffen, dass der Menschheit der Friede geschenkt wird.“ Ob er dabei vor einem Christbaum saß, bekamen die Bundesbürger nicht mit. Die Rede lief im Radio. Erst 1962 wurde eine Weihnachtsansprache im Fernsehen gesendet. Es war Adenauers letzte.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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