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Alexander Weinlein
Kurz rezensiert

Es ist eine der kuriosesten Geschichten aus den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs, die der amerikanische Militärhistoriker und Journalist Stephen Harding in seinem Buch „Die letzte Schlacht“ anhand offizieller Dokumente, und Zeitzeugen-Interviews zu erzählen weiß.
Nur vier Tage vor der bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reichs liefern sich amerikanische Soldaten unter dem Kommando von Captain John „Jack“ Lee in der Bergen Tirols ein Gefecht mit versprengten SS-Einheiten um das Schloss Itter im Brixental. Die mittelalterliche Festung diente zwischen 1943 und 1945 als Außenlager des Konzentrationslagers Dachau, in dem die SS eine Reihe prominenter Gefangener inhaftiert hatte – unter ihnen die ehemaligen französischen Premierminister Edouard Daladier und Paul Reynaud sowie die Schwester von General Charles de Gaulle.
Das Kuriose an der Geschichte ist aber vor allem, dass an der Seite der amerikanischen GIs ein Trupp Wehrmachtssoldaten unter dem Befehl von Major Josef Gangl kämpfte. Der hochdekorierte Wehrmachtsoffizier, der längst seinen Glauben an „Reich und Führer“ und den „Endsieg“ verloren hatte, wollte das Leben seiner Soldaten nicht länger für die falsche Sache opfern und hatte sich kurzerhand dem österreichischen Widerstand angeschlossen. Er war es, der die Amerikaner nach Schloss Itter lotste, um die französischen Inhaftierten vor ihrer möglichen Erschießung durch die SS zu retten. Seine 14 Soldaten unterstellte Gangl dem Kommando von US-Captain Lee, der somit als einziger amerikanischer Offizier in die Geschichte eingehen sollte, der während des Krieges Wehrmachtssoldaten befehligte.
Die Geschichte über diese „letzte Schlacht“ im Mai 1945 stellt im gewissen Sinne auch ein Symbol für die Gemütszustände der Deutschen dar, die von fanatischem Gehorsam über zerstörte Illusionen bis hin zu einem letzten Aufbegehren gegen das NS-Regime reichten.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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