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Parlamentarisches Profil
Hans Krump
Der Digitalexperte: Thomas Jarzombek

Für den CDU-Bundestagsabgeordneten Thomas Jarzombek kommt es beim neuen IT-Sicherheitsgesetz vor allem auf eins an:
„Sicherheit bei der Informationstechnik soll in deutschen Unternehmen einen anderen Stellenwert bekommen als bisher üblich.“ Firmen investierten allzu gerne in Dinge, die sichtbar seien und damit oft weniger in den Schutz ihres Internets, moniert der Unionsfraktionssprecher im Ausschuss Digitale Agenda. Geschrei gebe es erst dann, wenn etwa nach einem Leck auf einmal die Kundendaten offen daliegen und das Renommee des Unternehmens beschädigt ist. „Wir wollen mit dem Gesetz den IT-Verantwortlichen in den Betrieben den Rücken stärken, wenn sie beim Management mehr Geld und bessere Programme für die Internet-Sicherheit verlangen.“

Der technikbegeisterte Jarzombek hat beruflich selbst seit zwei Jahrzehnten mit Informationstechnik zu tun und gründete während seines Betriebswirtschaftslehre-Studiums eine IT-Servicefirma. Deshalb weiß er zu gut, dass es in diesem Bereich „keine Maßnahmen für perfekte Sicherheit“ geben kann – auch wenn er das neue Koalitionsgesetz für „sehr hilfreich“ hält.

Sehr viel verspricht sich der Düsseldorfer Abgeordnete von den zusätzlichen Kompetenzen und der Aufrüstung mit über 200 neuen Stellen des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Die Bonner Behörde soll zentrale Anlaufstelle der Wirtschaft für Fragen der IT-Sicherheit werden. Allerdings könne die künftige Meldepflicht ans BSI bei
Cyberattacken in Unternehmen mit „kritischen Infrastrukturen“ nur wirksam sein, wenn damit eine konsequente Beratung einhergehe und im Krisenfall auch sehr schnell reagiert werde, mahnt Jarzombek.

Kann das bisher für die Sicherheit der Regierungsnetze zuständige BSI die vom Gesetzgeber übertragenen zusätzlichen Aufgaben für die Unternehmen erfüllen? Der CDU-Netzexperte ist optimistisch: „Ein Hauptproblem für die Administratoren in der Wirtschaft ist, dass sie oft in Massen von Meldungen der Firewalls und anderen Sicherheitseinrichtungen ertrinken.“ Was ist ein gefährlicher Angriff von Cyber-Profis, was eine harmlose Attacke von Hacker-Kids? Dem BSI mit seiner Technik traut Jarzombek zu, zu rastern, „was für eine Firma wirkliche Bedrohung ist und was nicht“.

Was sagt er dazu, dass im Gesetz die von Innenminister Thomas de Maizière (CDU) gewollte halbjährige Speicherung der Surfdaten nach Kritik von Justizminister Heiko Maas (SPD) gestrichen ist? Jarzombek: „Es müssen immer alle Koalitionspartner hinter einem Koalitionsgesetz stehen.“ Er macht aber auch deutlich, dass er hier wenig von Vorratsdatenspeicherung hält. Mit Blick auf die Praxis von Internetgiganten wie Google sagt er: „Es gibt heute genügend Technologie, um Rechner zu identifizieren.“

Die neue Position als Digitalexperte der Unionsfraktion ist Thomas Jarzombek auf den Leib geschneidert. Nach dem Bundestagseinzug 2009 gehörte er auch schon der Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ in der vergangenen Legislaturperiode an. Mit dem heutigen CDU-Generalsekretär Peter Tauber hat er 2012 das cnetz gegründet, eine Vereinigung, die die Unionsparteien für Deutschlands Netz-Community interessant machen soll. „Ich betreibe Internet-Themen mit Leidenschaft“, sagt Jarzombek frei nach Max Weber. Im neuen Ausschuss Digitale Agenda sieht er gute Möglichkeiten, die längst nicht allen Abgeordneten gängigen Internetthemen im Bundestag stärker zu verankern. Federführend ist der Ausschuss allerdings nur für die Digitale Agenda der Bundesregierung, nicht für Gesetze. Auch das IT-Sicherheitsgesetz wird im Digitalausschuss nur beraten, federführend ist der Innenausschuss. Das sieht Jarzombek aber keineswegs negativ. „Die Querschnittaufgabe des Ausschusses hat auch Vorteile. Viele Kollegen suchen bei uns Kontakt und Einschätzung zu digitalen Themen. Das wirkt sehr befruchtend.“

Thomas Jarzombek wurde 2009 und 2013 direkt im Wahlkreis Düsseldorf-Nord in den Bundestag gewählt. Zuvor saß er im Stadtrat und im Landtag. Sein ganzes Leben seit seiner Geburt hat sich in der nordrhein-westfälischen Hauptstadt abgespielt („Ich bin Düsseldorfer durch und durch“). Was erwartet der erst 41-jährige Düsseldorfer CDU-Vorsitzende und Schnellaufsteiger für sich noch in der Politik? Da ist Thomas Jarzombek ganz demütig vor dem Wähler und will sich erst einmal auf die derzeitigen Aufgaben konzentrieren. Was bleibt an Hobbys für den frischgebackenen Vater eines Sohnes? Fotografieren, Laufen, Wandern und „alles, was mit Technik zu tun hat“.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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