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Ortstermin: Girls´Day und boys´day
Götz Hausding
»Wir bilden nach Bedarf aus«

Nichts wechselt bei Kindern im Kindergartenalter so schnell wie der Berufswunsch. Heute Astronaut, morgen Ritter und übermorgen Busfahrer. In der Schule wird die Frage schon konkreter. Um bei der Berufswahl zu helfen, lud der Bundestag vergangenen Donnerstag am deutschlandweiten Girls´ Day und Boys´ Day 16 Jungen und
16 Mädchen im Alter von zehn bis 16 Jahren ein. Ihnen wurden Einblicke in verschiedenste Berufszweige der Bundestagsverwaltung geboten. Wobei es vor allem um einen Rollentausch ging: Den Mädchen wurde unter anderem das Berufsfeld der Gas- und Wasserinstallateurin nähergebracht und auch die Tätigkeit einer Kamerafrau im Fernsehstudio. Die Jungs schauten sich derweil in der Bundestags-Kita um – schließlich werden Erzieher händeringend gesucht. Am Beispiel eines Ausschusssekretariats erfuhren sie mehr über das Aufgabenfeld des Kaufmanns für Büromanagement.

Zuvor wurde Mädchen wie Jungen jedoch ein Beruf vorgestellt, der im reichhaltigen Ausbildungs-Portfolio der Bundestagsverwaltung fehlt. Morgens früh ins Büro, abends spät nach Haus. So sieht er aus, der Job einer Abgeordneten, erläuterte Bundestagsvizepräsidentin Edelgard Bulmahn (SPD). „Wir gehen im Grunde von einer Sitzung zur anderen. Dabei wird debattiert und diskutiert.“ Für sie als Vizepräsidentin kämen noch viele Repräsentationstermine dazu. An den Wochenenden tagten außerdem noch verschiedene Parteigremien. Und dennoch: „Ich bin sehr gern Abgeordnete“, betonte die SPD-Politikerin.

Auch die 15-Jährige Alisa kann sich vorstellen, einmal Politikerin zu werden. „Ich habe auch schon mal ein Praktikum bei einer Bundestagsabgeordneten gemacht“, erzählt sie. Ihre Freundin Aileen – ebenfalls 15 – würde gern zur Polizei gehen. Das geht auch im Bundestag, wie sie erfuhr. Beamte der Bundestagspolizei präsentierten den

Kindern ihren Tätigkeitsbereich, wozu auch der Personenschutz gehört.

Der Bundestag sei attraktiv für die jungen Menschen, „weil wir nach Bedarf ausbilden“, sagt Birgit Meiners, Leiterin des für Ausbildung zuständigen Referates ZV 3. „Wir bilden die Berufe aus, für die wir Dienstposten haben und wo wir eine Perspektive bieten können.“ Konkret heißt das: Scheiden in drei Jahren vier Mitarbeiter aus einer bestimmten Berufsgruppe aus, werden heute vier junge Leute in dem Beruf ausgebildet. Genommen würden dabei nicht unbedingt nur Abiturienten mit den besten Noten, „die uns nach der Ausbildung verlassen, um zu studieren“, sagt die Referatsleiterin. „Wir suchen eher junge Leute, durchaus mit Mittlerem Schulabschluss, die gut ins Haus passen“. Die Zukunft wird zeigen, ob ein Teilnehmer des diesjährigen Girls´ und Boys´ Day den Weg zur Ausbildung im Bundestag findet.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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