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WELTERBE II
Alexander Weinlein
Wunden im kulturellen Gedächtnis

Fraktionen rufen zum Schutz von Kultur- und Naturstätten auf

Eine Woche vor Beginn der Konferenz des Unesco-Welterbekomitees in Bonn haben die Fraktionen des Bundestages einhellig zum Schutz der Kultur- und Naturerbestätten in aller Welt aufgerufen und die Zerstörung von Kulturgütern im Irak und Syrien durch die Terrormilizen des "Islamischen Staats" verurteilt. Die vorsätzliche Zerstörung von Kulturstätten "schneidet tiefe Wunden in das Erbe von Menschen, in die Geschichte einer Region, in die Identität eines Volkes und in das kulturelle Gedächtnis der Welt", sagte die Präsidentin des Welterbekomitees, Staatsministerin Maria Böhmer (CDU).

In der Abstimmung über einen entsprechenden Antrag der Koalitionsfraktionen CDU/CSU und SPD enthielten sich Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen jedoch der Stimme. Die beiden Oppositionsfraktionen bemängelten, dass der Antrag keine konkreten Forderungen für den Schutz und Erhalt von Welterbestätten in Deutschland enthalte.

Die kulturpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Sigrid Hupach, forderte, die Welterbekonvention der Unesco in nationales Recht umzusetzen. Die Aberkennung des Welterbetitels für das Dresdner Elbtal im Jahr 2009 wegen des Baus der Waldschlösschenbrücke, zeige, wie wichtig dies sei. "Dazu sagen Sie aber in ihrem Antrag nichts", kritisierte Hupach die Koalition.

Ulle Schauws, kulturpolitische Sprecherin der Grünen, warf der Koalition vor, das breite bürgerschaftliche Engagement von Nichtregierungsorganisationen für das Welterbe in ihrem Antrag zu ignorieren. Deren Engagement sei 2011 noch ausdrücklich gewürdigt worden. Schauws forderte zudem die Wiederauflage eines Investitionsprogramms für die Welterbestätten in Deutschland.

Der Vorsitzende des Kulturausschusses Siemund Ehrmann (SPD), lobte ausdrücklich das Engagement Deutschlands für das Welterbe. Im Rahmen des Kulturerhalt-Programms des Auswärtigen Amtes seien in den vergangenen 30 Jahren mehr als 260 Projekte in mehr als 140 Ländern gefördert worden. Das Welterbe sei "kein Schnickschnack, seine Orte "Quellen der Identifikation".

Die Bundesrepublik Deutschland trat 1976 der vier Jahre zuvor verabschiedeten Unesco-Konvention zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt bei. Bis heute haben 191 Staaten die Konvention unterzeichnet. Deutschland verfügt über 39 der insgesamt 1.007 Welterbestätten und gehört damit zu den fünf auf der Welterbeliste am stärksten vertretenen Staaten. Mit der Hamburger Speicherstadt und dem Naumburger Dom und der Landschaft entlang der Saale und der Unstrut stehen in diesem Jahr zwei deutsche Kandidaten auf der Nominierungsliste für das Welterbe, über die auf der Konferenz on Bonn entschieden wird.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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