Inhalt

AUSLANDSSENDER
Gemma Pörzgen
Ringen um die Deutungshoheit

Der TV-Kanal »Russia Today« und der Hörfunk »Sputnik« präsentieren die russische Sicht auf die Welt

Es ist der Versuch, ein russisches Sprachrohr in die Welt zu etablieren und in die Liga von BBC, CNN und Al Dschasira aufzusteigen: Mehrere Hundert Millionen Euro läßt sich der Kreml den russischen Auslandssender "Russia Today" jährlich kosten. Doch der Versuch, ein solch zusätztliches "Nachrichtenangebot" auch in der deutschen Medienlandschaft zu etablieren, ist nur von mäßigem Erfolg gekrönt. Während das englischsprachige "Russia Today" beim anglo-amerikanischen Publikum ein Millionenpublikum auf dem TV-Bildschirm erreicht, ist "RT Deutsch" als reines Webportal bisher ein unbedeutendes Nischenprogramm im Netz geblieben. Das liegt auch an der mangelnden Qualität des als "Trash TV" gestalteten Video-Angebots "Der fehlende Part". Allein in Thüringen hat der lokale Sender "Salve TV" diese Sendung ins Programm übernommen.

Die Moderatorin Jasmin Kosubek empfängt in ihrer täglichen Abendschau zumeist nur jene Gäste, die dem Kremlkurs wohlgesonnen sind. Aber selbst hier scheint die Unterstützerfront nun zu bröckeln. "Putin müsste die Redaktion von RT Deutsch feuern, er hat es leider noch nicht getan", schrieb der Publizist Jürgen Elsässer dieser Tage über die Sendung, bei der er bislang zu den treuesten Gästen zählte. "Was dort jedenfalls von zumeist deutschen Praktikanten als Journalismus betrieben wird, schädigt das russische Ansehen in Deutschland und fügt der deutsch-russischen Freundschaft schweren Schaden zu." Die antideutsche Hetze widerspreche Putins deutschenfreundlicher Linie, empörte sich Elsässer.

Auch die Zugriffszahlen des Internet-Portals bei You Tube sind wenig eindrucksvoll, die Zahl der Facebook-Freunde überschaubar und auf Twitter spielen die Nachrichten von "RT Deutsch" mit nur knapp 7.000 Followern praktisch keine Rolle. "Ich sehe RT Deutsch in einem Jahr als eine anerkannte Stelle, wo man sich alternativ zum Mainstream informieren kann", hatte Chefredakteur Igor Rodionow noch kurz nach dem Start angekündigt. Davon ist RT Deutsch bislang weit entfernt.

Geringe Hörerschaft Noch weniger beachtet blieb bislang das zweite Web-Angebot des Kremls in Deutschland. Dabei startete der Auslandsrundfunk "Die Stimme Russlands" den Relaunch seines deutschen Programms und die Eröffnung eines Berliner Büros bereits im Januar 2013. Das deutsch-russische Redaktionsteam, das inzwischen unter dem Namen "Sputnik" operiert, bietet im Internet ein auf den ersten Blick seriöseres Angebot. Als Vollprogramm kann man das Radioprogramm nur über die Webseite hören, denn eine eigene Rundfunk-Frequenz hat der Sender nicht. Abseits davon haben nur zwei regionale Privatsender in Deutschland Teile des Programms übernommen und strahlen es in zwei Bundesländern einige Stunden am Tag digital aus. Auch hier ist die Reichweite klein geblieben.

Fest etabliert hat sich die monatliche Verlagsbeilage "Russia beyond the headlines", die der Wirtschaftszeitung "Handelsblatt" beiliegt. Sie wird von einer Moskauer Redaktion erstellt, widmet sich überwiegend Wirtschaftsthemen und wird ebenfalls aus dem russischen Staatshaushalt finanziert. Die Zielgruppe der PR-Beilage und des dazu gehörenden Internet-Auftritts sind deutsche Geschäftsleute. Dank der Handelsblatt-Auflage von rund 110.000 Stück erreicht die Beilage eine stattliche Leserschaft. Der Web-Auftritt wird dagegen nur wenig genutzt. Das Vorläuferprodukt "Russland Heute" hatte als Verlagsbeilage der "Süddeutschen Zeitung" dank der höheren Auflage nochmals deutlich mehr deutsche Leser. Der Verlag kündigte aber im März 2014 die Zusammenarbeit wegen der Krim-Krise auf.

Die Autorin ist freie Journalistin in Berlin.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2016 Deutscher Bundestag