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SPORT
Götz Hausding
Katar im Winter

Korruption und Intransparenz bei IOC und Fifa sollen ein Ende haben. Offen ist: Wer kann dafür sorgen?

Ein Finale der Fußballweltmeisterschaft am vierten Advent? Noch vor ein paar Monaten hatte man das als wenig gelungenen Aprilscherz abgetan. Doch die Entscheidung des Weltfußballverbandes Fifa steht. Das Spiel findet am 18. Dezember 2022 in Katar statt. Widerspruch zwecklos. Zumal auch der Europäische Fußballverband
(Uefa), dessen Präsident Michel Platini einst für Katar als Austragungsort stimmte, sich damit wohl abgefunden hat.

Kritik an der Entscheidung, die WM 2022 in dem Emirat stattfinden zu lassen, eint auch den Bundestag. Gleichwohl ist es weniger die Fan-unfreundliche Terminierung, die auf Widerspruch stößt. Arbeitssklaven auf den Stadionbaustellen, fehlender Arbeitsschutz mit der Folge von schon mehr als 400 Todesfällen und Menschenrechtsverletzungen im ganzen Land sind einige der Gründe für die ablehnende Haltung der Abgeordneten. Einig waren sie sich auch in der Einschätzung, dass derartige Entscheidungen wie jene für Katar Folge der korrupten und intransparenten Strukturen der Fifa sind. Die Grünen fordern nun in einem Antrag (18/3556) die Bundesregierung auf, Anstrengungen zu unternehmen, um zu anderen Vergabekriterien für Sportgroßereignisse zu gelangen. Die Sportverbände, so heißt es in der Vorlage, sollten dazu angehalten werden, die verbindliche Einhaltung menschen- und bürgerrechtlicher sowie ökologischer Standards bei der Vorbereitung und Durchführung von Sportgroßereignissen verpflichtend zur Voraussetzung von Vergabeentscheidungen zu machen und ihre Umsetzung „sanktionsbewehrt sicherstellen“.

Falsche Adressaten Während die Linksfraktion das Ansinnen unterstützt, meinten Union und SPD während der Debatte vergangenen Donnerstag einen falschen Adressaten der Forderung festgestellt zu haben. Nehme man die Autonomie des Sports ernst, könnten nicht die Politik, sondern nur die Verbände selbst sich neue Regeln verschreiben, um Korruption, Gigantismus, Vetternwirtschaft und Intransparenz zu bekämpfen, sagte Eberhard Gienger (CDU). Und auch Michaela Engelmeier (SPD) bemängelte, dass die Grünen mit dem Antrag „den internationalen organisierten Sport offensichtlich politisieren wollen“.

An die Selbstheilungskräfte der internationalen Sportverbände wie der Fifa oder dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) glaubt die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, aber nicht. Die Fifa habe sich quasi selbst untersucht und sei zu der Erkenntnis gelangt, die Entscheidung für Katar habe nichts mit Korruption zu tun. Aber auch die Agenda 2020, mit der das IOC Reformen anzugehen angekündigt habe, ändere nichts an der Grundstruktur des IOC, weshalb von einer echten Reform nicht die Rede sein könne, urteilte sie.

André Hahn (Die Linke) unterstützte die Forderung der Grünen nach Festlegung von Regeln für den internationalen Sport und Kriterien für die Vergabe von Sportgroßveranstaltungen. „Ein ,Weiter so‘ darf es nicht geben“, betonte er. Ziel müsse es sei, die „uneingeschränkte Macht von IOC und Fifa zu brechen“. Mit Blick auf die Nachhaltigkeit regte Hahn an, darüber nachzudenken, „ob wirklich alle vier Jahre neue Sportanlagen aus dem Boden gestampft werden müssen“. Oder ob nicht – wie im Weltcup üblich – reihum die existierenden Anlagen ehemaliger Olympiastandorte genutzt werden könnten. Hahn betonte, ein Anhänger der Olympischen Idee zu sein. Diese Idee sei aber „pervertiert“ worden und stehe immer weiter hinter den Interessen der Großkonzerne zurück.

Anders als die Opposition bewertete Eberhard Gienger die IOC-Agenda 2020 durchaus optimistisch. „Ein Anfang zumindest ist gemacht“, sagte er. Mit Blick auf die Bewerbung Hamburgs für die Olympischen Sommerspiele 2024 und den viel kritisierten Gigantismus bei vorherigen Spielen forderte der CDU-Abgeordnete: „Wir müssen zeigen, dass es auch anders geht.“

Das will auch Michaela Engelmeier, die Hamburg dafür als hervorragend geeignet betrachtet. „Wenn das IOC seine Agenda ernst nimmt, ist Hamburg ein guter Kandidat für 2014“, zeigte sich die SPD-Abgeordnete überzeugt. Richtig findet sie auch, dass die Bürger an der Frage „Bewerbung Ja oder Nein“ beteiligt werden sollen. „Die geplante Volksabstimmung ist ein guter Mechanismus“, sagte sie.

Der CDU-Parlamentarier Reinhard Grindel hat da seine Zweifel. Hätte man in München 2013 auf das Votum der von den Bürgern gewählten Gremien vertraut und auf einen Bürgerentscheid verzichtet, „hätten wir sehr gute Chancen für eine Winterolympiade“ 2022 in München. Und zwar mit Bedingungen, die Grindels Ansicht nach den Anforderungen der Grünen mehr entsprochen hätten als jene, die die übrig gebliebenen Bewerber Almaty und Peking böten.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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