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joh
Schöner Bauen in Deutschland

„Es geht nicht nur um die Quantität beim Bau neuer Wohnungen, sondern auch um die Qualität.“ Das betonte Reiner Nagel, der Vorstandvorsitzende der Bundesstiftung Baukultur, in der vergangenen Woche im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit. Anlass des öffentlichen Fachgesprächs war der Baukulturbericht 2014/2015, den die 2006 errichtete Stiftung Bundestag und Bundesregierung Ende 2014 vorgelegt hatte.

Ein Viertel aller Bundesbürger sei nicht zufrieden mit der Gestaltung von Straßen, Plätzen und Gebäuden, erklärte Nagel, der sich dabei auf Befragungen von Kommunen berief. Ästhetik und Gestaltung müssten daher in Zukunft viel stärker berücksichtigt werden, sei es beim Bau neuer Wohnungen oder der Sanierung von Altbeständen. Dies gelte auch für die öffentliche Infrastruktur, also den Bau von Straßen, Lärmschutzwänden oder Brücken.

„Im öffentlichen Raum kann man mit wenig Aufwand großen Nutzen erzielen“, urteilte Nagel. So sei es wichtig, für Grünflächen in den zunehmend verdichteten Städten zu sorgen. Selbst ein „Westentaschenpark“ könne eine Wohngegend deutlich aufwerten. Bezugnehmend auf die 30 Handlungsempfehlungen im Baukulturbericht forderte der Stiftungsvorsitzende die Kommunen auf, die Bürger frühzeitig und deutlich stärker als bisher in die Planung einzubeziehen. Außerdem sollte die öffentliche Hand als Bauherr eine Vorbildfunktion bei baukulturellen Standards wahrnehmen.

Heidrun Bluhm (Die Linke) und Christian Kühn (Bündnis 90/Die Grünen) forderten die Bundesregierung auf, die Handlungsempfehlungen ernst zu nehmen und umzusetzen. „Wir müssen erreichen, dass wir nicht nur für die Menschen bauen, sondern auch mit ihnen“, betonte Bluhm. Kühn kritisierte, dass die Bundesregierung bisher keine Stellungnahme zu dem Bericht abgegeben habe. Dieser sollte aber „nicht in den Bücherregalen der Abgeordneten und Ministerien verschwinden“.

Volkmar Vogel (CDU) bekräftige die Forderungen Nagels: Ästhetische Aspekte müssten mit der technischen Umsetzung in Einklang stehen, um die Akzeptanz von Bauten bei der Bevölkerung zu stärken. Ulrich Hampel (SPD) lobte, dass die Stiftung 2015 mehr Mittel, nämlich 1,4 Millionen statt bisher 1,3 Millionen Euro, zur Verfügung habe. Neben den Bundesmitteln müsse langfristig aber auch eine Finanzierung durch Dritte sichergestellt werden.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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