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Ortstermin PREISTRÄGER DES EUROPÄISCHEN WETTBEWERBS
Götz Hausding
»Macht hoch die Tür Europa«

Ist Europa tatsächlich eine Festung? Ein Bollwerk gegen Flüchtlinge aus Krisenregionen? Der 62. Europäische Wettbewerb - ältester deutscher Schülerwettbewerb - hat sich mit dieser hochaktuellen Frage beschäftigt. Zum Thema "Europa hilft - Hilft Europa?" waren über 75.000 Wettbewerbsbeiträge eingegangen. Die Jugendlichen hatten sich dabei mit Europas Verantwortung in der Welt auseinandergesetzt, mit Flüchtlingspolitik und mit fairen Handelsbeziehungen.

29 Preisträger verbrachten vergangene Woche vier Tage im Deutschen Bundestag. Zu ihnen gehört Janina Baur aus Gomadingen in Baden-Württemberg, die in ihrem Textbeitrag zu der Einschätzung gelangt: Nein, von einer "Festung Europa" könne angesichts des lobenswerten Engagements der europäischen Staaten und ihre Bürger nicht die Rede sein. Um die Flüchtlingswelle einzudämmen, müssten die Fluchtursachen in den Herkunftsländern beseitigt werden, sagt sie. Paul Bisinger aus Tübingen fordert, endlich zu handeln: "Macht hoch die Tür Europa - zerstört das Bild der Festung!", ruft er am Ende seiner Niederschrift auf. Ausgezeichnet wurden jedoch nicht nur Textbeiträge, sondern auch Grafiken, Fotocollagen, Songtexte und Malerei. So etwa das Bild von Johanna Fütterer aus Neuhaus in der Oberpfalz. Wohlbeleibte Urlauber lassen sich darauf bei ihren Strandaktivitäten nicht stören von angeschwemmten toten afrikanischen Flüchtlingen. Mit einem Preis bedacht wurde auch der Dortmunder Jamshed Mutahidi - als 17-Jähriger aus Pakistan nach Deutschland geflüchtet. Gemeinsam mit seinem türkischen Freund Enes Salifoski hat er einen Song komponiert und eingesungen, der von seiner Flucht erzählt und die Menschen in Deutschland aufruft, ihr unbeschwertes Leben zu schätzen.

Während ihres Aufenthaltes im Bundestag besuchten die jungen Leute eine Plenarsitzung, nahmen an dem Planspiel "Parlamentarische Demokratie spielerisch erfahren" teil, trafen sich mit Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) für ein Gruppenbild und mit Abgeordneten zu einem Gespräch über Flüchtlingspolitik. Spannende und aufregende Erfahrungen seien das gewesen, so Janina Baur. "Die Tage hier haben mir viele Einblicke in den Bundestag und die Arbeit dort verschafft", sagt die 17-Jährige. Paul Bisinger haben es vor allem die Gebäude des Bundestags angetan. "Es wirkt kraftvoll, ist aber durch die geringe Farbe dennoch bodenständig", findet er. Die beiden haben natürlich auch eine Meinung zum Umgang der deutschen Politik mit dem Flüchtlingsthema. Die Bundesregierung, aber auch Europa hätten das Thema viel zu lange aufgeschoben, sagt Paul Bisinger und schlägt vor, die Dublin-Regelung durch den Königsteiner Schlüssel zu ersetzen. Janina Baur ist der Ansicht, dass die Regierung bereits einige gute Vorschläge gemacht habe, um die Flüchtlingsproblematik zu verbessern, diese jedoch noch nicht konkret umsetzen könne. "Ich wünsche mir mehr Kommunikation in Europa, da dies meiner Meinung nach die Basis für eine funktionierende Struktur darstellt", betont die Preisträgerin.Götz Hausding

Aus Politik und Zeitgeschichte

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