Inhalt

Parlamentarisches Profil
Franz Ludwig Averdunk
Der Entwicklungspolitiker: Jürgen Klimke

Um was bitte handelt es sich bei der "Post-2015-Agenda" der Vereinten Nationen? Fettes Fragezeichen. Der CDU-Abgeordnete Jürgen Klimke redet deshalb lieber vom "Weltentwicklungsplan". Und vor allem spricht er gerne erst einmal über das südasiatische Bangladesch, Beispiel eines neueren Ansatzes der Entwicklungspolitik.

Doch vorab blickt er zurück - die Zeiten der Entwicklungshilfe: "Du armes Land hast Hunger, mach mal den Mund auf, der liebe Onkel gibt dir was." Heute: "Wir sind gleichrangige Partner mit unterschiedlichen Verantwortungen." Und: "Die Privatwirtschaft ist mit im Boot". Die Politik sage zu Recht: "Du deutsche Wirtschaft kannst das Land nicht länger ausbeuten, zu Billig-Löhnen produzieren, wenn wir auf der anderen Seite Millionen an Entwicklungsgeldern dorthin geben." Es müsse sozialverträglich produziert werden: vernünftiger Lohn, von den Auftraggebern garantiert. Für Sozialleistungen stehe verpflichtend das Nehmerland gerade. Durch mehr Transparenz bekämen auch die Verbraucher mehr Verantwortung: Entscheidung für fair produzierte Waren, gekennzeichnet durch entsprechende Label. Langfristig entstehe so eine Partnerschaft auf Augenhöhe mit den Entwicklungsländern. Die Menschen dort erhielten eine Perspektive: "Nicht schon in zehn Jahren, aber meine Kinder werden das erleben."

Diese aktuelle Strategie der nachhaltigen Unternehmensführung (CSR - Corporate Social Responsibility) auf dem Textilsektor ist für Klimke sozusagen die Post-2015-Agenda zum Anfassen - konkreter Unterpunkt eines weit gefassten Ziele-Katalogs eben zur weiteren Entwicklung der Welt, unter den Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Wochenende in New York die Unterschrift für Deutschland gesetzt hat. Armut und Hunger zu beenden, zählt dazu; Chancengleichheit bei Bildung und Lebensstandard - innerhalb eines Landes und zwischen den Staaten, Menschenrechte durchsetzen, nachhaltige Entwicklung von Ökonomie und Ökologie. Der Bezug zum politischen Thema Nummer eins dieser Wochen liegt auf der Hand: Die komplette Umsetzung der Ziele würde zu einem Ende der Flüchtlingsströme führen. So sieht das auch Jürgen Klimke. Frage indes: Sind das nicht Träume von einem Wolkenkuckucksheim? Der Abgeordnete mag das Wort nicht, will aber wohl von "noch vielen Fragezeichen" sprechen.

Zugleich verweist er auf den zurückliegenden Vorstoß von 2000, die UN-Milleniumserklärung, die nicht ohne Erfolg geblieben sei: Halbierung der extremen Armut und des Hungers, weltweiter Zugang zu sauberem Wasser. Die aber in anderen Punkten noch erfolglos blieb. Jürgen Klimke nennt den Bildungssektor oder die Rolle der Frau. Die neue Offensive nun 15 Jahre später habe aus den Fehlern gelernt, formuliere jetzt realistischere Ziele. Und nicht zuletzt: "Den Entwicklungsländern wurde damals das Recht genommen, die Ziele zu setzen, die sie für richtig hielten", sagt der CDU-Abgeordnete. Jetzt hingegen würden "die Industriestaaten in die Pflicht genommen".

Klimke hat als Entwicklungspolitiker gelernt, dass immer wieder von kleinem Schritt zu kleinem Schritt Erfolge zu verzeichnen sind. Gleich 2002, als er erstmals in den Bundestag gewählt wurde, suchte er sich dieses Betätigungsfeld. Als Hamburger sei er schließlich der Weltwirtschaft besonders verbunden.

Aktuell amtiert der 67-Jährige als Obmann der CDU/CSU-Fraktion im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und im Unterausschuss Vereinte Nationen, Internationale Organisationen und Globalisierung. Auch im Auswärtigen Ausschuss ist er Mitglied. Angesprochen auf sein Faible für Außenpolitik kokettiert er durchaus mit Hamburger Weltläufigkeit. Es handelt sich natürlich auch um die Königsdisziplin der Bundespolitik. Und da wollte er schon mitmischen, nachdem er vor seinem Wechsel in den Bundestag 20 Jahre Mitglied der Hamburger Bürgerschaft war. 1970, zwei Jahre nach seinem Abitur, war Klimke in die CDU eingetreten, hatte dann Jura studiert. Als Beruf gibt er Journalist an. Die PR-Agentur IC AG führt ihn als Vorstand und Mitinhaber auf.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2020 Deutscher Bundestag