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UMWELT
Johanna Metz
Asse-II-Begleitprozess ein Erfolg

UMWELTMitglieder der Asse II-Begleitgruppe sowie ein Vertreter des niedersächsischen Landkreises Wolfenbüttel haben vergangene Woche im Umweltausschuss den Begleitprozess, in dem relevante gesellschaftliche Gruppen ihre Interessen hinsichtlich des Umgangs mit dem maroden Atommülllager Asse einbringen und vertreten können, als historische Chance und Erfolgsmodell bezeichnet. So urteilte der Physiker Wolfgang Neumann, Mitglied in der Arbeitsgruppe Option Rückholung (AGO), in dem öffentlichen Fachgespräch, die AGO trage zu einer fachlichen Stärkung der geplanten Stilllegung des ehemaligen Salzbergwerks bei. Außerdem würde ein Konsens auf sehr viel breiterer Ebene getragen.

Claus-Jürgen Schillmann vom Landkreis Wolfenbüttel wies darauf hin, dass Zivilgesellschaft und staatliche Stellen bereits gemeinsam Lösungen gefunden hätten, etwa im Hinblick auf die Stabilisierung des ehemaligen Salzbergwerkes und die Notfallvorsorge. Auch sei ein Konzept für die Rückholung des Atommülls und ein Kriterienkatalog für die Suche nach einem Zwischenlager-Standort erarbeitet worden. Michael Funder von der Asse II-Begleitgruppe bezeichnete den Aufwand als „notwendig und gerechtfertigt“, um zu einem sozialen Frieden zu kommen und die bestmögliche Lösung im Umgang mit atomaren Altlasten zu finden.

Im Atommülllager Asse in der Nähe der niedersächsischen Stadt Wolfenbüttel lagern bis heute 125.000 Fässer mit strahlenden Altlasten. Weil in den Schacht täglich tausende Liter Salzlauge eindringen und er daher nicht endlagertauglich ist, sollen die Abfälle bis spätestens 2033 rückgeholt und Asse II stillgelegt werden. Doch die Suche nach einen Zwischenlager hat das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) wegen eines Dissenses mit der Begleitgruppe ausgesetzt – eine Entscheidung, die deren Vertreter im Ausschuss kritisierten. Sie forderten, die Suche wieder aufzunehmen und nicht nur nahe der Asse, sondern bundesweit nach Zwischenlagerstandorten zu suchen. Michael Funder betonte, dass es in der Bevölkerung vor Ort derzeit „keine ausreichende Akzeptanz“ für ein Asse-nahes Zwischenlager gebe. Um die Akzeptanz dafür zu schaffen, seien Standortvergleiche und eine nachvollziehbare Darstellung der Entscheidung erforderlich. Claus-Jürgen Schillmann ergänzte, es gehe der Begleitgruppe nicht darum, ein standortnahes Zwischenlager grundsätzlich zu verhindern. Sie fordere lediglich eine Untersuchung, ob ein entfernterer Standort nicht möglicherweise besser geeignet sei.

Aus Sicht des BfS bringt eine standortnahe Zwischenlagerung aus Strahlenschutzgründen jedoch „nur Vorteile“, wie dessen Präsident Wolfram König betonte. Das Bundesamt habe daher vorgeschlagen, gemäß dem Kriterienkatalog, „spiralförmig“ um die Schachtanlage herum mit der Suche zu beginnen. Dass sie derzeit ausgesetzt sei, bedeute nicht, dass das BfS den Rückholungsprozess verzögern wolle, stellte König klar. Es müsse aber vor Beginn der Suche eine Verständigung über die Rahmenbedingungen geben.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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