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FORSCHUNG
Claus Peter Kosfeld
Innovationen für Patienten

Ergebnisse und Erkenntnisse aus der Forschung müssen nach Ansicht von Union und SPD schneller für die Gesundheitswirtschaft und die Patientenversorgung bereitgestellt werden. In einem Antrag (18/7044) der beiden Fraktionen, über den der Bundestag am vergangenen Freitag erstmals beraten hat, heißt es unter anderem, bei der von der Bundesregierung geförderten Gesundheitsforschung sollte die Effektivität für die Gesundheitsversorgung verstärkt in den Blick genommen werden.

Die Abgeordneten verweisen in dem Zusammenhang auf die Bedeutung der Gesundheitswirtschaft. In der erweiterten Gesundheitswirtschaft seien in Deutschland 6,2 Millionen Menschen beschäftigt, das sei fast jeder siebte Arbeitsplatz. Mehr als zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) würden im Gesundheitsbereich erwirtschaftet. Die erweiterte Gesundheitswirtschaft sei damit die größte Wirtschaftsbranche. Hier seien mehr Menschen beschäftigt als in der Automobil- und Elektroindustrie zusammen. In der industriellen Gesundheitswirtschaft liege die Exportquote bei mehr als 65 Prozent. Die Bedeutung des Sektors werde weiter zunehmen und zugleich mehr denn je auf Innovationen, technische wie soziale, angewiesen sein.

Als wichtiger Bereich ausgewiesen wird die Medizintechnik, deren Förderung ausgebaut werden sollte. Stephan Albani (CDU) sagte, die Medizintechnik sei ein zentraler Wachstumstreiber. Die rund 1.200 kleinen und mittelgroßen Betriebe bildeten die Stütze der Branche. Die Medizintechnik habe zahlreiche Innovationen hervorgebracht, die Leben retten könnten oder das Leben lebenswerter machten. Es sei jedoch ein beschleunigter Transfer aus der Forschung zur Versorgung nötig, damit Patienten nicht jahrelang auf neue Entwicklungen warten müssten.

Die Opposition hielt den Regierungsfraktionen vor, echte Probleme wie die Teuerung im Gesundheitswesen gar nicht anzugehen. Kathrin Vogler (Linke) monierte, die Ökonomisierung im Gesundheitswesen fließe auch in Scheininnovationen. So kämen auch unnütze Medizinprodukte oder Arzneimittel auf den Markt. Handlungsbedarf gebe es bei der Entwicklung neuer Antibiotika im Kampf gegen multiresistente Keime. Der Antrag sei "forschungspolitisch nutzlos und gesundheitspolitisch kontraproduktiv". René Röspel (SPD) warf der Linken ein einseitiges Ideologieschema vor und verwies auf die milliardenschwere Förderung der Grundlagenforschung, die überhaupt nicht interessengeleitet sei. Kai Gehring (Grüne) befürwortete das Grundanliegen des Antrags, jedoch seien die Forderungen allgemein und vage, etwa was die beschleunigte Zulassung von Medikamenten angehe. Sein Fazit: "Im Antrag verteilen Sie Weihnachtsgeschenke, die Regierung bekommt Lobeshymnen, die Gesundheitsindustrie ein Musterzeugnis und der Mittelstand einen warmen Händedruck."pk

Aus Politik und Zeitgeschichte

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