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Vor 50 Jahren...
Benjamin Stahl
GroKo auf Zeit

23.12.1965: Lübke will schwarz-rote Regierung Eigentlich war nach der Bundestagswahl 1965 alles klar. Die Union verpasste mit 47,6 Prozent nur knapp die absolute Mehrheit. Der Koalitionspartner FDP büßte zwar Stimmen ein und kam nur noch auf 9,5 Prozent, einer schwarz-gelben Fortsetzung unter Kanzler Ludwig Erhard (CDU) stand aber mathematisch nichts im Wege. Dennoch sollte die Wahl der ersten Großen Koalition den Weg bereiten. Vor allem von Bundespräsident Heinrich Lübke (CDU) war das gewollt. Am 23. Dezember 1965 sprach er sich in einem Interview für eine Regierung aus Union und SPD "wenigstens für eine Legislaturperiode" aus, da es "eine Reihe von wichtigen Fragen, die keinen Aufschub vertragen" gebe, "die nur gemeinsam von allen politischen Kräften angepackt werden können". Als Beispiele nannte er die Finanzreform, die Notstandsgesetzgebung und außenpolitische Themen. Bei seinem Neujahrsempfang 1966 bekräftigte Lübke seine Meinung: Die Regierung stehe vor Aufgaben, die von einer kleinen Koalition nur zum Teil gelöst werden könnten, sagte er.

Dass die Sozialdemokraten Lübke näher standen als die FDP, hatte sich schon bei dessen Wiederwahl 1964 gezeigt. Während die SPD Lübke unterstützte, stellte die FDP mit Ewald Bucher einen eigenen Kandidaten auf. Erhards schwarz-gelbe Regierung hielt indes nicht lange: 1966 verließ die FDP im Streit über Steuererhöhungen das Bündnis und es kam zur ersten Großen Koalition. Lübke, der schon länger in engem Kontakt zu SPD-Vize Herbert Wehner stand, half tatkräftig mit.Benjamin Stahl

Aus Politik und Zeitgeschichte

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