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Gastkommentare - Pro
Thomas Kröter, DuMont-Hauptstadtredaktion
Das kleinere Übel

Mehr Soldaten Nach Afghanistan?

Nichts sei gut in Afghanistan, hat die Theologin Margot Käßmann einmal gesagt. Das ist schon eine Weile her, aber noch immer nicht ganz falsch. Es geht langsamer voran, als sich die Nationen gewünscht haben, die 2001 am Hindukusch den Krieg gegen den Terror begonnen haben. Osama bin Laden ist tot. Doch die Taliban sind nicht besiegt. Anderswo sind neue Akteure des Schreckens aufgetaucht.

Es wäre zu kurz gegriffen, all das auf den militärischen Einsatz gegen den Terror zurückzuführen. Sicher wurden Fehler gemacht. Das waren nicht nur die fatalen "Kollateralschäden" für die Zivilbevölkerung. Der wichtigste Fehler war von Anfang an, dass der Einsatz nur mit halber Kraft geführt wurde. George W. Bush wollte in Afghanistan ein Zeichen setzen. Als es nicht so recht voranging, verlor er die Lust. Aus innenpolitischen Gründen. Deshalb beschäftigte auch Barack Obama sich eher damit, seine Soldaten nach Hause zu bringen, als mit den Bedingungen eines Erfolges vor Ort.

Der ist auch weiterhin nicht so schnell zu erzielen. Warum dann nicht sagen: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende? Weil es ein Schrecken für die Falschen wäre. Einen Truppenabzug würde das Regime in Kabul wohl nicht überstehen. Es ist das kleinere Übel gegenüber einer totalen Machtübernahme der Taliban. Sie würde die kleinen zivilisatorischen Fortschritte zerstören - die Schulen für Mädchen, den Beginn einer Zivilgesellschaft. Und auch die noch höchst unvollkommenen Anfänge eines Staatsaufbaus.

Um das alles zu schützen, braucht es, nicht nur, aber auch: Soldaten. Sie müssen das afghanische Militär schulen, ihm auch durch Aufklärung und im Zweifel Einsätze aus der Luft helfen. Der Einsatz in Afghanistan ist noch lange nicht zu Ende.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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