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Gastkommentare - Contra
Stephan Hebel, freier Journalist
Es fehlt das Konzept

Mehr Soldaten Nach Afghanistan?

Es mag wie ein Widerspruch klingen, ist aber keiner: Mehr Soldaten in Afghanistan lösen die Probleme nicht besser als weniger Soldaten. Das neue Bundeswehr-Mandat krankt an den gleichen Fehlern wie das Ende der Isaf-Mission, das uns erst vor einem Jahr als Lösungsweg angepriesen wurde. Und an den gleichen Fehlern krankte wiederum auch Isaf selbst. All den Einmärschen und den Rückzügen und Wiederaufstockungen ist nämlich eines gemeinsam: Es fehlt ein tragfähiges Konzept für Stabilisierung und Wiederaufbau des Landes.

Der Grünen-Abgeordnete und Afghanistan-Kenner Tom Koenigs hat mehr als zehn Jahre lang allen Mandaten zugestimmt, bis er Ende 2014 zu dem Schluss kam: "Wir haben mal mehr, mal weniger Soldaten entsandt, aber für die Sicherheit im Land war das offenbar weniger relevant." Und jetzt unterschrieb er einen Antrag, in dem es hieß: "Die jahrelange Strategie, vorrangig mit militärischen Mitteln eine Friedenslösung erzwingen zu wollen, ist gescheitert." Recht hat er, leider.

Erinnert sich noch jemand, wie der damalige SPD-Vorsitzende Kurt Beck verhöhnt wurde, als er 2007 Gespräche mit moderaten Taliban forderte? Heute, nach all den verlorenen Jahren, will auch die Verteidigungsministerin eine Verhandlungslösung. Aber die wird erschwert, wenn sich die seit 14 Jahren gemachte und von den Taliban propagandistisch genutzte Erfahrung des afghanischen Volkes fortsetzt: "Der Westen" denkt sich eine Mission nach der anderen aus, aber am täglichen Blutvergießen ändert das nichts.

Daran zu glauben, dass mehr deutsche Uniformen den Weg zum Frieden ebnen helfen - dazu haben die Afghanen schon lange keinen Grund mehr.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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