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Atommüll I
Sören Christian Reimer
Streit um Endlager Konrad

Die Frage, ob das geplante Atommüll-Endlager Konrad dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik entspricht, hat vergangene Woche bei einem Fachgespräch im Umweltausschuss für Diskussionen gesorgt. Die grundlegenden Sicherheitsberechnungen stammten vom Ende der 1980er Jahre, aktuellere Daten lägen nicht vor, kritisierte Ursula Schönberger, Leiterin des Projekts "Atommüllreport", das von diversen Umweltorganisationen getragen wird. "Nach dem heutigen Stand von Wissenschaft und Technik würde niemand mehr daran denken, dort Atommüll einzulagern."

Dem widersprach Wolfram König, Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS). Es gebe keine Erkenntnisse darüber, dass dem sicherheitsrelevanten Stand von Wissenschaft und Technik nicht entsprochen werde. Als Betreiber sei das BfS ohnehin gefordert, dies stetig zu prüfen. Dies sei aber im Kontext der Endlagerung eine "völlig unterschätzte Aufgabe", gab König zu. Es brauche ein System, das über die lange Zeitspanne von Antragsstellung über Genehmigung bis zur Inbetriebnahme einerseits die Bestandssicherheit der Genehmigung garantiere, andererseits aber immer wieder zu Überprüfung führe.

Aktuell wird davon ausgegangen, dass Konrad 2022 in Betrieb genommen wird. Das Endlager nahe Braunschweig ist ein wesentlicher Baustein des Nationalen Entsorgungsprogramms (Napo) der Bundesregierung (18/5980), das Anlass des Fachgespräches war. Das Programm enthält eine Strategie, wie mit den radioaktiven Altlasten künftig verfahren werden soll. Grundlage dafür ist eine Richtlinie der Europäischen Union, die von den Mitgliedsstaaten eine Entsorgungsstrategie fordert.

Demnach sollen in Konrad, wie geplant und genehmigt, rund 300.000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktiver Abfall untergebracht werden. Abfälle, die aus sicherheitstechnischen Gründen für Konrad nicht geeignet sind, sowie die noch zu bergenden Abfälle aus der havarierten Schachtanlage Asse und Abfälle aus der Urananreicherung sollen laut Napo idealerweise am selben Standort eingelagert werden wie hoch radioaktive Abfälle. Die wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Kriterien für die Suche nach einem solchen Endlager erarbeitet aktuell die von Bundesrat und Bundestag eingesetzte Kommission Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe.

Ob eine Kombi-Lagerung möglich sei, müsse erst noch analysiert werden, sagte Horst Geckeis (Karlsruher Institut für Technologie, Institut für Nukleare Entsorgung). Es handle sich um "grundverschiedene Abfallströme". Mit Wechselwirkungen müsse gerechnet werden. Dazu müssen ein Konzept erstellt werden.

Michael Sailer (Öko-Institut e.V.) verwies zudem darauf, dass noch nicht mal klar sei, wie groß die Menge der zu lagernden Uran-Tails sei. Auch die Beschaffenheit der Asse- und der sonstigen Abfälle sei noch unklar.scr

Aus Politik und Zeitgeschichte

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