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UMWELT
Johanna Metz
Weg mit den Schimmelschulen

In Deutschland werden derzeit viele Wohnungen neu gebaut oder saniert, schließlich ist Wohnraum – erst recht bezahlbarer – vielerorts knapp. Dass es dabei nicht allein um Quantität geht, sondern auch um Qualität, betont die im Jahr 2006 errichtete „Bundesstiftung Baukultur“ immer wieder, in ihrem aktuellen Baukulturbericht 2014/15 (18/3020). Er gibt Bundesregierung und Bundestag Anregungen und Handlungsempfehlungen, wie die Lebensqualität in den Städten und auf dem Land verbessert werden kann.

„Unsere gebaute Umwelt hat großen Einfluss auf uns“, betonte Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) in der Debatte am vergangenen Donnerstag. Es sei daher eben nicht „egal“, welche bauliche Qualität etwa beim Wohnungsneubau erreicht werde. Bauen habe immer auch eine „emotionale und ästhetische Dimension“. Hendricks hob die von der Stiftung geforderte Vorbildrolle von Bund, Länder und Kommunen bei eigenen Bauvorhaben hervor. „Das ist selbstverständlich nicht zuletzt ein Appell an den Bund als Bauherrn.“

Auch Volkmar Vogel (CDU) betonte, Baukultur werde in ihrer Bedeutung oftmals unterschätzt. Es sei daher nicht selbstverständlich, dass dafür im Bundeshaushalt 1,3 Millionen Euro zur Verfügung stünden und der Bund auch in diesem Jahr weitere 100.000 Euro bereitstelle. Den vorliegenen Bericht wertete er als „Maßstab und Fahrplan für Architekten, Planer, aber natürlich auch für Bauherren und Investoren“.

Die Fraktionen von Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke hoben die große Bedeutung der Baukultur ebenfalls hervor, kritisierten jedoch die aus ihrer Sicht „viel zu schwache“, gerade einmal eineinhalb Din-A4-Seite umfassende Stellungnahme der Bundesregierung zum Baukulturbericht. Sie würde schon gerne wissen, betonte Heidrun Bluhm (Linke), wie die Regierung die vielfältigen Vorschläge und Hinweise ihrer eigenen Stiftung in ihre Stadtentwicklungspolitik einzubinden gedenke. Sie forderte: „Unsere Städte müssen sozial und funktional gemischte Quartiere sein.“

Oliver Krischer (Grüne) nannte es „armselig“, dass die Regierung nicht mal in der Lage sei, Handlungsleitlinien, die sie aus diesem Bericht ableite, zu formulieren. Eine große Herausforderung sei beispielsweise der massive Investitionsstau in den Kommunen. „Wir haben Bröselbrücken und Schimmelschulen“, betonte Krischer. Der Bericht fordere, „dass hier Antworten gefunden werden müssen“.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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