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Reiner Klingholz, Wolfgang Lutz: Wer überlebt? Bildung entscheidet über die Zukunft der Menschheit.
Aschot Manutscharjan

Campus Verlag, Frankfurt/M. 2016; 300 S., 24,99 €

Die Konflikte des 21. Jahrhunderts verlaufen zwischen denen, die "Bildung fördern, und jenen, die sie behindern". So lautet die Prognose der beiden renommierten Demografen Reiner Klingholz und Wolfgang Lutz. In ihrem aktuellen Buch messen sie die Entwicklung der Menschheit an ihrem jeweiligen Bildungsstand. Ihre Thesen sind durchaus umstritten: So ist keineswegs sicher, dass Bildung automatisch demokratische Gesellschaften hervorbringt, wie nicht zuletzt das Beispiel der Sowjetunion zeigte. Bemerkenswert sind hingegen die Überlegungen der Wissenschaftler über die Schule der Zukunft und die Rolle des Internets. Tatsächlich können die Nutzer heute die Vorlesungen angesehener Universitäten überall auf der Welt im Internet aufrufen. Die Frage ist nur, wie ein afrikanischer Jugendlicher mit einem Tablet davon profitieren soll, wenn er die entsprechende schulische Grundbildung nicht mitbringt.

Bei der globalen Bildungsrevolution kann es aber nicht nur darum gehen, die Einschulungsraten zu steigern. Vielmehr muss die Qualität der Bildung insgesamt in den Blick genommen werden. Das betrifft vor allem die wenig entwickelten Länder. Der Welt fehle die Überzeugung, dass Bildung "die entscheidende Stellschraube für Entwicklung ist", mahnen die Autoren. Die benötigten Mittel seien "geradezu bescheiden": So habe die UNESCO ermittelt, dass die Länder mit niedrigen Einkommen jährlich 22 Milliarden US-Dollar für eine qualitativ hochwertige Bildung in Vorschule, Grundschule und Sekundarstufe I aufbringen müssten. Im Vergleich dazu hätten die geschätzten Kosten der US-Militärintervention allein im Irak bei 3.000 Milliarden US-Dollar gelegen. Mit einem Zehntel dieser Summe könnten die Bildungskosten der Entwicklungsländer bis zum Jahr 2030 finanziert werden. Selbst in große Sportevents fließe mehr Geld als in die globale Basisbildung: Allein für die Infrastruktur rund um die Fußball-WM 2022 in Katar, die in zwölf Stadien in der Wüste ausgetragen werden soll, würden 200 Milliarden US-Dollar investiert.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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