Inhalt

Karl-Otto Sattler
Kurz rezensiert

Auch ein Sachbuch kann eine Kampfschrift sein. Norbert Häring ergreift Partei, doch er streitet für das Bargeld ohne Polemik und setzt bei seinem Feldzug gegen eine Phalanx aus Finanzwelt, Regierungen, Geheimdiensten, Versicherungen, Behörden und kommerziellen IT-Datenkraken auf die Kraft der Fakten. Dies macht seine Verteidigung von einem durch Bargeld garantierten "Rest Freiheit und Privatsphäre" umso überzeugender.

Der "Handelsblatt"-Redakteur outet hinter der Zurückdrängung von Scheinen und Münzen einen elitären Zirkel von Wissenschaftlern, Politikern und Bankern im Umfeld großer Geldinstitute, die ihre internationale Kampagne vorantreiben. Diese Verflechtungen, in die laut Häring selbst EZB-Chef Mario Draghi eingebunden ist, dürften vielen Lesern unbekannt sein. Im Kern gehe es den "Anti-Bargeld-Kriegern", wie der Autor analysiert, um die Interessen der Banken: Können die Bürger nichts Bares mehr abheben, so sind alle Vermögen "eingesperrt" und den Kunden entzogen - was wiederum Staat und Finanzinstituten die Enteignung der Sparer durch Strafzinsen oder durch den Zugriff auf Guthaben zur Sanierung kriselnder Banken erlaubt.

Offiziell wird die Abschaffung des Bargeldes mit der Bekämpfung von Terrorismus, Geldwäsche, Steuerhinterziehung, Schmuggel und Schwarzarbeit begründet. Eindrucksvoll zerpflückt Häring dieses Manöver: Terroristen finanzieren sich nicht durch Koffer voller Geldscheine, sondern über Scheinfirmen und bargeldlose Schachtelüberweisungen, gleiches gilt für Geldwäsche in großem Stil. Andererseits werden die Bürger vollkommen gläsern: Wird mit Karte oder Smartphone bezahlt, so wird lückenlos offenbar, wer was wann wo kauft - Bücher, Zeitungen, Filme, Reisen, Tabak, Wein oder Kuchen, Sexspielzeug oder der Whisky in einer Nachtbar. Häring appelliert an seine Leser, stets mit Bargeld zu bezahlen. Er selbst streitet vor Gericht mit dem Hessischen Rundfunk darum, die Rundfunkgebühren bar begleichen zu können. Ein spannendes Aufklärungsbuch.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2020 Deutscher Bundestag