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Rainer Eisfeld (Hg.):
Gerd Renken
Kurz rezensiert

Mitgemacht.Theodor Eschenburgs Beteiligung an "Arisierungen" im Nationalsozialismus - Springer Verlag, Wiesbaden 2015; 437 S., 49,99 €

"Schade", bedauert der Politologe Klaus von Beyme gegenüber seinem Kollegen Rainer Eisfeld, dass dieser über "ihn" so viel herausfinde. Gemeint ist ein Mann, der für viele seiner Gesprächspartner in Politik und Wissenschaft so etwas wie ein Lehrer der Nation war: Theodor Eschenburg (1904-1999). Der ehemalige Rektor der Universität Tübingen wurde in den frühen Jahren der Bundesrepublik einer der Stammväter der Politikwissenschaft. Die Zahl seiner Schüler, die es oft zu beträchtlichem Ansehen brachten, ist groß. So weit, so gut - bis sich Eschenburgs Beteiligung an "Arisierungen" jüdischen Vermögens herausstellte. Eisfeld hatte nach akribischer Recherche 2011 dessen Verstrickung in den nationalsozialistischen Rassenwahn dokumentiert. Zwischen Eschenburgs Anhängern und denen, die sich dem Nachweis seiner Beteiligung an diesen Verbrechen nicht entziehen wollten, brach ein heftiger Konflikt aus. Dabei waren noch nicht einmal alle Belege auf dem Tisch, die Eschenburgs Tätigkeit als Geschäftsführer eines Industrieverbands 1933-45 galten. Aber schon damals sprach der Adenauer-Biograph Hans-Peter Schwarz von einem "McCarthyismus der verächtlichsten Art".

Eisfelds Untersuchung ist kein Zeugnis einer selbstgerechten jüngeren Generation. Sie dokumentiert einen Streit unter Wissenschaftlern, der als Lehrstück über den Umgang mit der Vergangenheit gelten kann. Dies schon deshalb, weil Eisfelds Kritiker oft mit verbissener Missachtung der über jeden vernünftigen Zweifel erhabenen Belege ihre Sicht auf Eschenburg vortrugen. Unter der "Last der Beweisführung", ist diese Kritik allerdings fast völlig verstummt.

Fazit: Die Deutsche Gesellschaft für Politische Wissenschaft hat ihren nach Theodor Eschenburg benannten Preis abgeschafft. Eschenburgs "Lebensleistung" mag für viele unbestritten sein. Aber Namensgeber eines renommierten Preises sollte wohl niemand sein, der sich in den Zeiten totalitärer Herrschaft dafür entschieden hat, zu "funktionieren".

Aus Politik und Zeitgeschichte

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