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NS-ZEIT
Alexander Weinlein
Geschichte des Kanzleramtes

Renommierte Historiker fordern die Erforschung der Geschichte des Bundeskanzleramtes hinsichtlich personeller Kontinuitäten zur Zeit des Nationalsozialismus. In einer öffentlichen Anhörung des Kulturausschusses in der vergangenen Woche unterstützen die Sachverständigen übereinstimmend einen entsprechenden Antrag der Linksfraktion (18/3049), die die Einsetzung einer unabhängigen Historikerkommission vorschlägt. Norbert Frei (Universität Jena) verwies darauf, dass solche Untersuchungen zu vielen Bundesministerien und Bundesbehörden bereits abgeschlossen oder in Arbeit seien.

Die Geschichte des Kanzleramtes stelle eine Lücke dar, die geschlossen werden sollte. Ulrike Jureit (Hamburger Institut für Sozialforschung) sagte, die Forschung dürfe sich nicht auf Auszählen von NS-belasteten Personen und biografische Darstellungen beschränken. Ebenso wie Christian Mentel (Zentrum für Zeithistorische Forschung) plädierte sie dafür, den Forschungsauftrag weit zu fassen. Es müsse um eine qualitative Betrachtung von Transformationsprozessen im postdiktatorischen System gehen und um die Rolle, die der bürokratische Apparat dabei spielte.

Klaus Dietmar Henke und Jost Dülffer, beide Mitglieder der Historikerkommission zur Erforschung der Geschichte des Bundesnachrichtendienstes, sprachen sich dafür aus, die Vergabe des Forschungsauftrages in Form eines Wettbewerbs zu organisieren. Andreas Wirsching (Institut für Zeitgeschichte) sagte, das Thema der personellen NS-Kontinuitäten müsse entpolitisiert und historisiert werden.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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