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Aufgekehrt
Sören Christian Reimer
Die Mass bleibt leer

Nicht eine blickdichte Burka, sondern ein Hauch von Nichts verhüllt dieser Tage die Spannungen zwischen der bayrischen CSU-Spitze und der Spitze der Rest-Union. Nach der Wahlklatsche für die Union in Mecklenburg-Vorpommern muss sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ob der Kritik von CSU-Parteichef Horst Seehofer und Konsorten ein dickes Fell - besser vielleicht gleich einen Burkini - zulegen.

Und nun auch noch das: Bisher, so berichten es zumindest Medien, hat die Kanzlerin noch keine Einladung zum CSU-Parteitag Anfang November erhalten. Gibt es etwa eine Obergrenze für die Bestuhlung am Veranstaltungsort? Streikt der Drucker? Haben die Christsozialen keine aktuelle Adresse der Kanzlerin? Oder ist es eher das Prinzip "Kindergeburtstag in der Trotzphase: Die mag ich nicht, die lade ich nicht ein"?

Man weiß es ja nicht, aber man hört, dass Parteichef Seehofer - so wird er zitiert - ein "Theater wie im letzten Jahr" vermeiden wolle. Dabei fand das im vergangenen Jahr auf dem CSU-Parteitag uraufgeführte Zwei-Personen-Stück "Standpauke für die Kanzlerin, oder: Das Horst'sche Gericht" bundesweit Beachtung. Am Münchener Residenztheater erblassten sie vor Neid.

Wenn kein Gruppenbild mit Dame in der Landeshauptstadt, kommt dann Seehofers One-Man-Show? Die Lage scheint ernst. So ernst gar, dass der bajuwarische Regionalfürst nicht nur kurzfristig eine Reise in Putins Zarenreich absagte, nein, Bayerns oberster besorgter Bürger verzichtete gar darauf, dass Oktoberfest in der Bayrischen Landesvertretung in Berlin zu eröffnen. Die Mass bleibt leer, denn das Maß ist voll, soll das wohl heißen.Sören Christian Reimer

Aus Politik und Zeitgeschichte

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