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Ortstermin: »Tag der Ein- und Ausblicke« im Bundestag
Eva Bräth
Internationales Lob für die Offenheit

Auf dem Flur des Reichstagsgebäudes hat sich eine lange Schlange gebildet. Es sind keine Abgeordneten, sondern Besucher. Sie warten, bis sie an der Reihe sind, um hinter das Rednerpult des Bundestages zu treten. Dort posiert gerade eine Frau hinter den Mikrofonen und vor der aufgebauten Fotokamera. Ein junger Mann, der sein Foto schon bekommen hat, präsentiert es stolz seiner Familie.

Es ist der ,,Tag der Ein- und Ausblicke". Schon zum 13. Mal öffnet das Parlament seine Türen für die Öffentlichkeit. Jedes Jahr nutzen Zehntausende die Gelegenheit, parlamentarische Abläufe genau unter die Lupe zu nehmen: Was ist Ausschussarbeit? Wie wird der Bundeshaushalt aufgestellt? Wo kann man sich über die Arbeit des Parlaments informieren?

Antworten auf diese Fragen gibt es an Ständen, in zahlreichen Filmen, Kurzvorträgen und Führungen - oder auch im direkten Gespräch mit den gewählten Abgeordneten sowie Mitarbeitern der Fraktionen und der Bundestagsverwaltung. Das kommt an: "Ich habe heute gelernt, was eine Petition ist", erzählt die zwölfjährige Melissa Czogalla. "Außerdem ist die Spielecke toll", sagt die Berliner Schülerin, die mit ihrer Mutter Christina schon das dritte Mal dabei ist.

Besucher erkunden an diesem Tag nicht nur das Reichstagsgebäude mit Plenarsaal, Fraktionsebene und Kuppel. Sie strömen auch durch das Paul-Löbe-Haus, in dem die Ausschüsse tagen. In luftiger Höhe gelangen sie über den Verbindungssteg über der Spree weiter ins Marie-Elisabeth-Lüders-Haus. Dort präsentieren sich Parlamentsbibliothek und -archiv sowie die Pressedokumentation.

"Das Programm ist richtig zum Anfassen gemacht", meint Studentin Anja Klaus (27) aus Leipzig. Besonders beeindruckt habe sie, einmal im Plenarsaal zu stehen. "Sonst kennt man den ja nur aus dem Fernsehen", sagt sie. Auch der Lehrer Klaus Röhrig (50) aus Berlin ist begeistert. Er hat sich mit Informationsbroschüren für seine Willkommensklasse eingedeckt. Gerade kommt er aus einer Architekturführung zum "Band des Bundes". Sein Resümee: "Sehr eindrucksvoll! Die moderne Architektur ist wirklich repräsentativ für den Ort, an dem die Demokratie jeden Tag gestaltet wird." Sein Begleiter schaltet sich ein: "Es ist alles sehr schön, aber ein bisschen grau. Etwas mehr Farbe dürfte es sein", findet Harald Süßenbach (50), der aus Nürnberg zu Besuch gekommen ist.

Gäste aus anderen Ländern heben die Offenheit des Bundestags hervor. "Für mich ist das etwas ganz Neues. In meinem Heimatland kann man die Arbeit der Fraktionen und Ausschüsse nicht auf diese Weise kennenlernen", sagt Zirahuén Villamar (36) aus Mexiko-Stadt. Der Doktorand der Politikwissenschaft schwärmt von der Führung durch das Parlamentsarchiv und freut sich darüber, dass es auch reichlich Informationsmaterial in spanischer Sprache gibt. Auch der 75-jährige Juan Carlos Romero-Abreu aus Spanien ist angetan. "Dieser Tag trägt dazu bei, Klarheit und Transparenz der Politik herzustellen", findet der ehemalige Stadtrat aus Cádiz. Für Zhou (29) aus China ist es der erste Besuch in einem Parlamentsgebäude. Sie ist für einen einmonatigen Sprachaufenthalt in der Hauptstadt. "Ich habe richtig Glück gehabt!", sprudelt es aus ihr heraus. "Vor fünf Jahren habe ich in Deutschland studiert und wollte damals auf die Reichstagskuppel, aber sie war gesperrt. Da will ich jetzt unbedingt rauf!", sagt sie und hastet weiter.Eva Bräth

Aus Politik und Zeitgeschichte

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