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Claus Peter Kosfeld
Kurz rezensiert

Dass die Arbeitswelt so ihre Tücken hat, weiß jeder, der arbeitet. Da wird gerne mal getrickst, gebuhlt und bisweilen auch gemobbt. Der schwedische Autor Jonas Karlsson hat die Fallstricke im Büroalltag in seinem Roman "Das Zimmer" auf eine fiktionale Ebene gehoben, bleibt mit seiner Darstellung von Neid, Ehrgeiz, Missgunst oder Angst aber doch immer dicht dran an der Wirklichkeit.

Im Mittelpunkt der Handlung steht der Ich-Erzähler Björn. Er ist neu und damit Außenseiter: pedantisch und hungrig nach Anerkennung. Björn leidet zunächst unter maßloser Selbstüberschätzung und später unter dem maßlosen Mobbing der Kollegen, die ihn wahlweise blöd oder unheimlich finden. Er meint, knapp vor einem Karrieresprung zu sein. Außer ihm glaubt aber niemand an seinen Aufstieg, dafür sind alle mit dabei, als es darum geht, seinen Abgang zu organisieren.

Björn entdeckt nach seiner Versetzung schnell ein kleines Zimmer, das sonst niemand zu kennen scheint und das, wie er selbst im Bürotrakt nachmisst, architektonisch eigentlich nicht vorhanden sein kann. Trotzdem ist es für ihn real.

Regelmäßig zieht es ihn in das Zimmer, es macht ihn ruhig, dort fließen die Gedanken. Alle anderen sehen nur, wie er in einer Ecke des Großraums steht und ins Leere blickt. Es entbrennt ein heftiger Streit, ob es das Zimmer überhaupt gibt, geben kann und ob der Neue dorthin gehen darf. Der Chef ist hilflos und will vor allem keinen Ärger. Als Björn plötzlich unerwartet herausragende Vorlagen liefert, sind alle verunsichert. Am Ende versinkt Björn hilflos und selig in einer Wand, die ihn "wie Buttermilch" umschließt.

Karlsson ist ein kunstfertiger Kurzroman gelungen, eine subtile Abrechnung mit der Arbeitswelt. Der schwedische Autor liefert zahlreiche Stichworte und Szenen, über die nachzudenken sich lohnt, weil sie jeden Berufstätigen irgendwie betreffen können. Die Lektüre könnte tatsächlich irre komisch sein, wenn es nicht eigentlich so zum Heulen wäre.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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