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Eva Bräth
Schutz von Müttern und Kindern

Weltweit sterben pro Tag rund 16.000 Kinder unter fünf Jahren aufgrund von Krankheit sowie 800 Frauen in Folge von Komplikationen während der Schwangerschaft oder Geburt. Besonders betroffen sind Mütter und Kinder in Entwicklungsländern. Deutschland müsse sich verstärkt bei der Bekämpfung von Mütter- und Kindersterblichkeit in Entwicklungs- und Schwellenländern engagieren, forderten Experten im Entwicklungsausschuss des Bundestages vergangene Woche. Nur so könnten die "Ziele für nachhaltige Entwicklung" (SDG) der Vereinten Nationen erreicht werden.

Mehr Engagement Marwin Meier von der Organisation "World Vision e.V."bemängelte, dass die Bundesregierung Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur internationalen Gesundheitsfinanzierung nur zu rund einem Drittel erfülle. Er forderte die Bundesregierung auf, mindestens 400 Millionen Euro pro Jahr in den "Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria" (GFATM) einzuzahlen. Circa 45 Prozent dieser Mittel haben einen unmittelbaren Effekt auf die Reduzierung von Mütter- und Kindersterblichkeit, sagte er.

"Jede zwei Minuten stirbt eine Frau während der Schwangerschaft oder Geburt, 99 Prozent von ihnen in Entwicklungsländern", sagte Naveen Rao von der Initiative "Merck for Mothers". Ärzte und medizinische Geräte seien zu weit entfernt oder nicht bezahlbar, benannte Rao Hauptgründe für Müttersterblichkeit. Unternehmen könnten die Bekämpfung von Müttersterblichkeit nicht nur finanziell unterstützen, sondern auch Expertise einbringen, sagte Rao und plädierte für mehr Kooperationen von öffentlichem und privatem Sektor.

Rund 290 Millionen Kinder weltweit würden bei der Geburt nicht registriert und in keinem Bildungs- oder Gesundheitsplan auftauchen, ergänzte Yosi Echeverry Burckhardt von Unicef Deutschland. Fehlender Zugang zu Bildung erschwere die Verwirklichung von Kinderrechten. Bildungskampagnen müssten auch religiöse und traditionelle Führungsfiguren einbeziehen, um Wirkung zu erzielen, sagte Burckhardt.

Gesundheitssysteme stärken Gisela Schneider, Direktorin des "Deutschen Instituts für Ärztliche Mission e.V." (Difäm), bezeichnete es als grundlegend, Armut zu bekämpfen, Bildung, Gendergerechtigkeit und den Zugang zu Familienplanung zu fördern. "Die SDG können wir nur erreichen, wenn wir Gesundheitssysteme als Ganze stärken", sagte sie. Dazu brauche es vor allem ausgebildetes Personal. Deutschland solle die Ausbildung von medizinischem Fachpersonal in Entwicklungsländern finanziell unterstützen, forderte Schneider.

Detlef Virchow von "Plan International Deutschland e.V." wies auf lückenhafte Geburtsregister hin. Mehr als 100 Länder besäßen keine Systeme zur zivilen Registrierung und Bevölkerungsstatistik. Nach Geschlechtern differenzierte Daten seien aber notwendig, um Gründe für Ungleichheiten zu identifizieren und die Situation von Kindern und Müttern zu verbessern. Tief verwurzelte Geschlechterungerechtigkeiten führten ebenfalls dazu, dass viele Frauen ihre sexuellen und reproduktiven Rechte nicht wahrnehmen könnten, sagte Virchow. Erfolgreiche Strategien müssten deswegen Gesundheitspolitik und Geschlechtergerechtigkeit verbinden.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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