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Aufgekehrt
Eva Bräth
Alles Wurscht, oder was?

Es geht um die Wurst! Das hat die CDU-Fraktion im Hannoveraner Landtag erkannt. In einem Antrag fordert sie, dass Fleischersatzprodukte nicht mehr als "Wurst". "Frikadelle" oder "Schnitzel" verkauft werden dürfen. Das sei "Verbrauchertäuschung".

Oja, richtig! Man stelle sich das Wurst-Case-Szenario vor: Da möchte der arglose Fleischfresser nach einem anstrengenden Arbeitstag sein verdientes Schnitzel verdrücken, und was findet er auf dem Teller? Weil er zuvor nicht den salamidünnen Hauch einer Chance hatte, die Inhaltsstoffe von der Verpackung abzulesen, liegt da jetzt ein Etwas aus Soja. Täuschung, Betrug! Zum Glück schiebt die CDU der Extrawurst den Fleisch-Riegel vor. Gegen die weitverbreitete "alles Wurscht"-Haltung ist das ein wichtiges Zeichen!

Es geht aber nicht nur um Verbraucherschutz, sondern geradezu um das Mark unserer Demokratie: um die Authentizität und Ehrlichkeit im politischen Diskurs. Auch in der Parteiendemokratie soll schließlich drin sein, was drauf steht. Das wollen die Parteien ebenso wie ihre Wähler. Trotzdem gibt es immer wieder Skepsis: Wählt, wer im Südwesten für die Grünen stimmt, in Wirklichkeit nicht schwarz? Ist das C bei den Christsozialen noch ein Grundinhaltsstoff? Wie viel braun steckt eigentlich in blau? Und verwenden die Blauen nur eine Geheimzutat aus der Heimatküche oder vielleicht doch einen kennzeichnungspflichtigen Zusatzstoff?

Die Rot-Weißen haben diese Probleme hingegen nicht. Schon vor Jahren haben die Genossen ihren Markenkern in Nordrhein-Westfalen knackig definiert: "SPD ist Currywurst." Na dann, guten Appetit!Eva Bräth

Aus Politik und Zeitgeschichte

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