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OPFERSCHUTZ
Claus Peter Kosfeld
Stalkern die Grenzen aufzeigen

Einige Grundregeln im Umgang mit unerwünschten Annäherungen

Die meisten Stalking-Opfer werden von der Bedrohung völlig überrascht. Angst und Unsicherheit erschweren eine rationale Vorgehensweise, die aber unbedingt nötig ist, um das Problem zu lösen. Da die Bedrohungslage sehr unterschiedlich sein kann und die möglichen Folgen schwer einzuschätzen sind, empfehlen Anti-Stalking-Fachleute, IT-Spezialisten, Psychologen und Kriminalisten, sich an einigen festen Grundregeln zu orientieren.

Kontakte vermeiden Die wichtigste Regel lautet, jeden Kontakt mit Stalkern zu vermeiden. Das ist in vielen Fällen nicht so leicht, zumal wenn es sich um einen Ex-Partner oder sogar den Vater gemeinsamer Kinder handelt. Dennoch lautet der Rat, eindeutig klarzustellen, dass kein Kontakt gewünscht wird. Fachleute warnen in dem Zusammenhang vor der Erwartung, Opfer könnten sich rein argumentativ aus der Affäre ziehen. So wird etwa ein Stalker im Liebeswahn den Hinweis einer Frau, sie habe schon einen Freund, so umdeuten, dass sie wohl mit ihm zusammen wäre, wenn sie den Freund nicht mehr hätte. Fachleute empfehlen daher, sehr bestimmt, aber ruhig und höflich jeden Kontakt abzulehnen und sich daran zu halten, zumal jede Reaktion des Opfers vom Stalker als Erfolg gewertet wird, egal wie sie ausfällt.

Daten schützen Das Internet bietet Stalkern einfache Möglichkeiten der Kontaktaufnahme. Um das zu verhindern, müssen persönliche Daten geschützt werden. IT-Fachleute empfehlen konkret, auf online-Kalender zu verzichten und Einträge in sozialen Netzwerken als privat zu klassifizieren und nur einem bestimmten Freundeskreis zugänglich zu machen. Ferner sollten Passwörter regelmäßig gewechselt werden. Auch Mail-Adressen können geändert werden. Der Zugang zu Rechnern sollte nur ausgewählten Personen möglich sein.

Kinder schulen Auch Kinder müssen mit den Grundregeln des Datenschutzes vertraut gemacht werden. Sie müssen lernen, dass sie im Internet nicht ihre echten Namen, Bilder, Adressen oder Telefonnummern verbreiten. Wer sich vor unerwünschten Annäherungen schützen will, muss zudem verhindern, dass persönliche Daten in Form von Adressaufklebern, Kontoauszügen oder Briefwechseln lesbar im Hausmüll landen.

Beweise sichern Egal ob online oder offline: Wer Opfer von Nachstellungen wird, sollte unbedingt Beweise sichern. Die Polizei empfiehlt, alle Kontaktaufnahmen und Aktionen eines Stalkers mit Ort und Zeit genau zu dokumentieren. Briefe oder Mails sollten nicht weggeworfen oder gelöscht, sondern aufbewahrt werden. Das ist wichtig für einen möglichen Rechtsstreit, aber auch für die Risikoanalyse.

Hilfe annehmen Auch wenn es womöglich unangenehm ist: Stalking-Opfer sollten das Problem nicht verschweigen, sondern sich an vertrauenswürdige Freunde, Nachbarn, Kollegen oder Fachleute von Opferhilfeeinrichtungen wenden. So kann verhindert werden, dass ein Stalker weitere Informationen über sein Opfer erlangt oder Kollegen argwöhnisch werden, weil plötzlich seltsame, womöglich kompromittierende Mails im Umlauf sind.

In bestimmten Fällen kann es sinnvoll sein, auf juristischem Weg ein Annäherungsverbot zu erwirken. Dabei sollte aber berücksichtigt werden, dass manche Täter nur noch wenig zu verlieren haben, psychisch krank sein könnten oder gewalttätig. Experten empfehlen hier eine vorherige Fallanalyse.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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