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Gastkommentare - Pro
Sabine Lennartz "Schwäbische Zeitung"
Die Chance nutzen

demenzforschung ohne Eigennutz?

Nein, leider gibt es keine Hoffnung, mit neuartigen Pillen Demenzkranke spontan zu heilen. Deshalb sind Versuche mit Betroffenen eine gruppennützige Forschung. Es sind Tests, die später einmal ganz andere Menschen vielleicht vor Demenz bewahren oder ihren geistigen Verfall zumindest hinauszögern können. Diese Forschung ist wichtig und richtig - und gewinnt in einer alternden Bevölkerung an Bedeutung. Angesichts von bereits 1,6 Millionen Demenzkranken in Deutschland öffnet sich aus Sicht der Pharmaindustrie ein Riesen-Markt. Aus Sicht der Betroffenen aber, der Demenzkranken und ihrer Angehörigen, ist die Erforschung der Krankheit vor allem eine große Chance auf Hilfe.

Gerade in Deutschland mit seiner nationalsozialistischen Vergangenheit sind Bedenken gegen klinische Tests an geistig behinderten und nicht einwilligungsfähigen Menschen groß. Das ist allen Abgeordneten bewusst; die eingezogenen Hürden im Gesetz sind hoch. Höher als bei der Forschung an Kindern.

Demenzkranke sind nicht von Geburt an behindert. Haben sie sich, solange sie gesund sind, entschieden, für klinische Forschungen zur Verfügung zu stehen, etwa weil sie Demenzkranke in ihrer nächsten Umgebung haben, dann sollte dies auch möglich sein. Der Vorschlag, bei dieser Einwilligungserklärung zu späteren Tests noch eine optionale oder verpflichtende ärztliche Beratung zu haben, zeugt von hoher Verantwortung. Zudem werden die Studien von Ethikkommissionen und Bundesbehörden geprüft und begleitet. Die Gefahr eines Missbrauchs ist gering. Keiner weiß, ob die Forschung Erfolg hat. Sicher aber ist, ohne Forschung wird man keinen Erfolg haben. Man sollte die Chance im Kampf gegen Demenz nutzen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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