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Virus
Claus Peter Kosfeld
Angst vor Zika

Möglicher Zusammenhang mit Mikrozephalie

Die rasante Ausbreitung des Zika-Virus in Süd- und Mittelamerika und die daraus resultierenden möglichen Gesundheitsgefahren werden von der Bundesregierung mit Sorge gesehen. Wie Staatssekretärin Ingrid Fischbach (CDU) in der vergangenen Woche im Gesundheitsausschuss des Bundestages sagte, ist ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Zika-Virus und Schädelfehlbildungen bei Babys allerdings nach wie vor nicht bewiesen. Für Fälle von Mikrozephalie kämen grundsätzlich auch andere Ursachen in Betracht, etwa Röteln.

Wer in die betroffenen Gebiete reise, sollte auf einen effizienten Mückenschutz achten. Überträger des Zika-Virus sind vor allem Stechmücken, so die Gelbfiebermücke (Aedes aegypti), die in den Tropen oder Subtropen lebt. Auch die asiatische Tigermücke (Aedes albopictus), die inzwischen auch in Süddeutschland heimisch ist, wird als mögliche Überträgerin angesehen. Das Zika-Virus verbreitet sich derzeit vor allem in Brasilien sehr schnell. Nach Informationen brasilianischer Behörden sind zudem seit Oktober 2015 mehr als 4.000 Kinder mit Verdacht auf Mikrozephalie geboren worden. Fischbach wies darauf hin, dass es nur bei rund 20 Prozent der Infektionen zu den grippeähnlichen Symptomen komme. Ernste Verläufe seien nur bei schweren Grunderkrankungen zu befürchten. Wegen des möglichen Zusammenhangs mit Schädelfehlbildungen sei jedoch Vorsicht angebracht. So sollten schwangere Frauen die betroffenen Gebiete möglichst meiden. Mit Sorge wird auf die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro geschaut.

Für Deutschland bestehe keine Gefahr einer Ausbreitung der Krankheit über Stechmücken. Dem Robert-Koch-Institut (RKI) lägen derzeit 20 Fälle einer Infektion mit dem Zika-Virus vor, sagte Fischbach. Ab dem 1. Mai soll in Deutschland eine Meldepflicht für Arboviren gelten, zu denen auch das Zika-Virus gehört. An einem Impfstoff gegen das Zika-Virus wird gearbeitet, allerdings steht er wohl nicht kurzfristig zur Verfügung.

Benannt ist das Virus nach dem Zika-Wald im ostafrikanischen Uganda, unweit der Hauptstadt Kampala. In den Sumpfgebieten leben rund 40 Mückenarten, darunter jene Stechmücke, die auch das Gelbfieber und das Denguefieber auf Menschen überträgt. Der Erreger wurde erstmals 1947 bei einem Rhesusaffen aus dem Zika-Wald, einem Versuchstier für die Forschung, nachgewiesen. Das Virus gelangte von Afrika zunächst nach Asien, heute sind mehr als 30 Staaten in Südamerika, Afrika und Asien betroffen. Von bis zu vier Millionen Infizierten ist die Rede.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rief aufgrund der gehäuften Viruserkrankungen und der vielen Fälle von Mikrozephalie Anfang Februar 2016 den internationalen Gesundheitsnotstand aus. Zuletzt hatte die WHO im August 2014 wegen der Ebola-Epidemie in Westafrika den globalen Notstand erklärt.

Eine Übertragung ist durch Sex möglich, wie ein Fall aus den USA gezeigt hat sowie womöglich über Blutprodukte. Das Virus wurde bei Patienten schon im Speichel und Urin festgestellt sowie in Gehirnen von Neugeborenen. In Rio ist unlängst offenbar ein Fötus im Mutterleib an dem Zika-Virus gestorben.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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