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Aufgekehrt
Eva Bräth
Röcke machen Frauen

Weltweit gingen am 8. März Frauen für ihre Rechte auf die Straße. Eine wegweisende Variante des Frauenkampfs begründete derweil eine NGO im australischen Melbourne, wo jetzt das Über-die-Straße-gehen zur Gleichberechtigung beitragen soll. Eine leuchtende Idee erleichtert dort das gendersensible Manövrieren durch den Alltags-dschungel: In zehn Fußgängerampeln blinken Ampelfrauen statt Ampelmännchen auf. Erkennbar sind sie - natürlich, woran sonst? - am femininen Beinkleid. Kleider machen eben Leute, oder in der australischen Traffic-Light-Version des Feminismus: Röcke machen Frauen. In Zeiten, in denen man bei der Einrichtung seines facebook-Profils zwischen 60 Geschlechtsidentitäten wählen kann, gibt die Ampel endlich wieder symbolischen Halt. Rot oder grün, Hose oder Rock, das ist die entscheidende Frage.

Aber zu kurz darf der Rock nicht sein. So sieht es überraschenderweise ein Mann, nämlich der Direktor des israelischen Parlaments. Er verwehrte im Dezember Mitarbeiterinnen mit kurzen Röcken den Zugang zur Knesset. Schnell gab es Widerspruch im Minirock. Ein Abgeordneter hängte sich an den Rockzipfel des Protests, zerriss sogar sein Hemd. Passieren durfte er auch im Feinripp, Hauptsache die Stoffmenge stimmt. Die Knesset-Verwaltung ruderte zurück. Jetzt soll eine neue Kleiderordnung her, mit Hilfe einer Modeberaterin.

Könnte sich das Modell auch anderswo durchsetzen? Wie wäre es mit einer Modeampel für den Bundestag? Ob die bei allen Roten auf Grün und bei manchen Grünen auf Rot springen würde? Doch man braucht ja nicht nur schwarz zu sehen. Notfalls gibt's für die Diversität noch eine Schwampel dazu.Eva Bräth

Aus Politik und Zeitgeschichte

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