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Aschot Manutscharjan
Kurz Notiert

Einer der bekanntesten Intellektuellen weltweit, Noam Chomsky, ist zugleich der pessimistischste Chronist der USA. Er begrüßt zwar, dass es heute neben seinem Heimatland mit China, Indien, Russland und Europa mehrere globale Machtzentren gibt. Allerdings bleibe auch richtig, dass keine dieser Weltmächte "die beiden dunklen Wolken vertreiben kann, die über allen Überlegungen zur Weltordnung schweben: Atomwaffenkrieg und Umweltkatastrophen, die beide buchstäblich jedes menschenwürdige Überleben unser Art gefährden". Diese Bedrohungen würden ungeachtet aller Beschwichtigungsversuche der Politiker weiter zunehmen.

In seinem kurz vor den US-Präsidentschaftswahlen veröffentlichten Band stellt Chomsky fest, dass die große Mehrheit der US-Bürger "am unteren Ende der Einkommens- oder Wohlstandsskala praktisch vom politischen System ausgeschlossen ist". Ihre Ansichten würden von den offiziellen Repräsentanten nicht berücksichtigt, "während ein winziger Sektor am oberen Ende überwältigenden Einfluss hat". Chomsky verweist auf die US-Kongresswahlen von 2014, die gezeigt hätten, dass "eine ungeheure Zahl von Amerikanern den großen politischen Parteien mit Misstrauen begegnet". Die großen geldgesteuerten Parteien Amerikas hätten den Wählern nichts zu bieten. War also der Sieg des Populisten Donald Trump programmiert?

Auch in Europa beobachtet Chomsky einen "dramatischen Niedergang der Demokratie". Die Entscheidung über die wichtigen Fragen würden dort "an die Brüsseler Bürokratie und an die von ihr weitgehend repräsentierten finanziellen Kräfte abgegeben". Als Beleg dient Chomsky deren "wütende Reaktion" auf das Ansinnen, das griechische Volk über sein Schicksal mitbestimmen zu lassen. Unterdessen werde in den USA für mehrere Milliarden Dollar ein Erweiterungsprojekt für die neu entwickelten Kernwaffensysteme vorangetrieben, während kleinere Mächte eigene Schritte in Richtung nukleares Armageddon unternehmen würden.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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