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Eva Bräth
Die Bundespräsidenten

Die Macht des Bundespräsidenten liegt vor allem in seinen Worten. In seiner Antrittsrede stellt das Staatsoberhaupt die Schwerpunkte der Amtszeit vor. Ein Blick in die Geschichte:

Theodor Heuss, 1949 - 1959

"Deutschland braucht Europa, aber Europa braucht auch Deutschland", sagte der liberale Abgeordnete am 12. September 1949. In einer Welt, die der jungen Bundesrepublik noch mit Misstrauen begegnete, bildete das außenpolitische Brückenbauen einen Schwerpunkt von Heuss.

Heinrich Lübke, 1959 - 1969

Der Christdemokrat machte sich in beiden Amtszeiten für die Entwicklungszusammenarbeit stark. Am 15. September 1959 hielt er ein Plädoyer für die "Bekämpfung des Hungers in der Welt": "So wie der Bruder gegenüber dem Bruder Verantwortung trägt, so haben auch die Völker füreinander einzustehen."

Gustav Heinemann , 1969 - 1974

Er verstand sich als "Bürgerpräsident" und trat für plebiszitäre Mitbestimmung ein. Am 1. Juli 1969 sagte er: "Freiheitliche Demokratie, soziale Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit bedürfen im Staat und in der Gesellschaft der fortwährenden Bemühung um täglich bessere Verwirklichung durch den mündig mitbestimmenden Bürger."

Walter Scheel , 1974 - 1979

Außenpolitisch betonte der Liberale die Bedeutung des geeinten Europas:"Die politischen Kräfte in diesem Lande werden auch in Zukunft nicht darauf verzichten, einen Zustand des Friedens in Europa anzustreben, in dem das deutsche Volk auf der Grundlage des Selbstbestimmungsrechtes seine Einheit wieder erlangt", waren Scheels Worte am 1. Juli 1974.

Karl Carstens ,1979 - 1984

"Ich bin überzeugt, dass in unserem Volk starke Kräfte der Zuversicht, der positiven Hinwendung zum Leben, der Hilfsbereitschaft, auch der redlichen Bereitschaft, - wenn es nötig ist - , Opfer zu bringen, vorhanden sind", sagte der Vertreter konservativer Werte am 1. Juli 1979. Auch seine Wanderungen durch die Republik kündigte er an.

Richard von Weizsäcker, 1984 - 1994

Der Christdemokrat fand klare Worte zur deutschen Vergangenheit und verstand sich als Präsident aller Deutschen. "Wir sind in beiden deutschen Staaten einig im Begriff der Verantwortungsgemeinschaft. Die Führungen auf beiden Seiten bekennen sich dazu, dass nie wieder Krieg vom deutschen Boden ausgehen soll", sagte er am 1. Juli 1984.

Roman Herzog , 1994 - 1999

1996 führte Herzog den 27. Januar als Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus ein. Bereits am 1. Juli 1994 forderte er, "dass wir aus der Geschichte des Volkes, in das wir hineingeboren sind, lernen, dass wir uns engagiert damit auseinandersetzen und dass wir mit vollem Einsatz dagegen antreten, wenn sich in diesem Land wieder totalitäre und menschenverächterische Tendenzen zeigen."

Johannes Rau , 1999 - 2004

"Versöhnen statt Spalten" war die Maxime von Rau. "Gute Nachbarschaft, das ist heute europäische Innenpolitik. Gute Nachbarschaft brauchen wir aber auch im eigenen Land zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft oder unterschiedlicher kultureller Traditionen und Glaubensüberzeugungen", betonte er am 1. Juli 1999.

Horst Köhler , 2004 - 2010

Er sprach von Deutschland als dem "Land der Ideen". "Lassen Sie uns unsere Ideen und unsere Kräfte versuchen! Wir können in Deutschland vieles möglich machen. Dazu brauchen wir zugleich mehr Freiheit und mehr Gemeinschaft" sagte er 2004.

Christian Wulff , 2010 - 2012

"Die größte Stärke unseres Landes sind die Menschen, die hier leben. Ihre Vielfalt, ihre Talente machen Deutschland lebens- und liebenswert. Mir ist es dabei wichtig, Verbindungen zu schaffen", sagte der CDU-Politiker am 1. Juli 2010. Integration wurde zu seinem Schwerpunktthema.

Joachim Gauck , 2012 - 2017

Mit Gaucks Name ist das Eintreten für Freiheit untrennbar verbunden. "Freiheit ist eine notwendige Bedingung von Gerechtigkeit." "Umgekehrt ist das Bemühen um Gerechtigkeit unerlässlich für die Bewahrung der Freiheit", sagte er am 23. März 2012.eb

Aus Politik und Zeitgeschichte

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