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Bernd Haunfelder
Zum Tod von Horst Ehmke

Er war einer der zentralen Ideengeber der sozialliberalen Reformen und an der Durchsetzung der Ostpolitik entscheidend beteiligt. Wenige Wochen nach seinem 90. Geburtstag starb Horst Ehmke (SPD) am 12. März in Bonn. Beruf und Berufung des in Danzig geborenen Juristen hätten für zwei Leben gereicht. 1962 war er als Verteidiger des in der "Spiegel-Affäre" verhafteten Redakteurs Conrad Ahlers bundesweit bekannt geworden, im Folgejahr wurde er mit 36 Jahren Ordinarius für Öffentliches Recht in Freiburg. Es folgten Stationen als Staatssekretär sowie Minister im Bundesjustizministerium. In dieser Zeit prägte Ehmke die 1969 verabschiedete Strafrechtsreform maßgeblich. Der heutige liberale Rechtsstaat ist mit seinem Namen verbunden. Als engster Mitarbeiter Willy Brandts (SPD) amtierte er von 1969 bis 1972 als Chef des Kanzleramts, das er in eine politische "Schaltzentrale" umwandelte. Die große Karriere des "Spezialisten für alles", wie ihn Brandt titulierte, war mit dessen Rücktritt zu Ende. Von 1972 bis 1974 stand er noch an der Spitze des Bundesforschungsministeriums.

Ehmke war von 1969 bis 1994 Bundestagsabgeordneter und langjähriger außenpolitischer Sprecher seiner Fraktion.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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