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Ortstermin: Juniorwahl 2017
Laura Heyer/Eva Bräth
Demokratie im Klassenzimmer

Wie wäre es mit einer Bundestagswahl statt Politikunterricht? Wahlkabinen aufbauen, Plakate aufhängen, Wahlzettel studieren und selbst Kreuze bei Parteien und Politikern machen: Dafür können sich Schüler derzeit entscheiden, auch wenn sie unter 18 Jahre alt sind und am 24. September daher noch nicht abstimmen dürfen. Möglich macht das die Juniorwahl, die in diesem Jahr zum fünften Mal stattfindet. Bei diesem bundesweiten Schulprojekt können Schüler die Wahl im Klassenzimmer nachstellen. Mehr als 1,8 Millionen Jugendliche haben so seit 1999 erprobt, wie Wahlen funktionieren. Auch der Bundestag unterstützt das Projekt: Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) ist Schirmherr der Juniorwahl 2017.

"Natürlich wählen Jugendliche ganz anders als Erwachsene", sagt Gerald Wolff von Kumulus e.V., einem überparteilichen Verein, der die Juniorwahl unterstützt. Es würden zum Beispiel viel weniger extreme Parteien gewählt. Auch die Wahlbeteiligung unter den Schülern ist mit 80 Prozent deutlich höher als zuletzt bei Bundestagswahlen.

Drei bis vier Monate vor der Wahl erhält der Klassenlehrer Materialien, die im Unterricht behandelt werden können. Wahlberechtigungen, Wahlurnen, Wahlkabinen und Wahlzettel erreichen die Klasse dann einen Monat vor dem Wahltermin. Genau wie bei der "echten" Abstimmung gibt es außerdem Plakate der Kandidaten. Ein Wahlvorstand, der von den Schülern bestimmt wird, leitet die Wahl und kontrolliert, ob alles mit rechten Dingen zugeht.

Sind die Wahlurnen aufgebaut, kann es losgehen. Schüler und Lehrer entscheiden vorher, ob sie auf Papier ihr Kreuz machen wollen oder online abstimmen; 80 Prozent entscheiden sich für den klassischen Weg. Die Wahl findet schließlich eine Woche vor der Bundestagswahl statt, also am 17. September 2017. Kumulus e.V. wertet die Stimmen aus und gibt sie am Abend der "echten" Bundestagswahl bekannt.

Durch die Juniorwahl sollen die Jugendlichen nicht nur den Ablauf einer Wahl kennenlernen, sondern auch ein Gefühl dafür bekommen, wie Demokratie funktioniert. "Wer einmal wählen geht, geht auch später wieder", ist Wolff überzeugt. Bundestagspräsident Norbert Lammert formuliert es so: "Wer wählt, entscheidet mit. Wer wählt, verschafft sich und seinen Interessen Gehör, wer wählt, übernimmt Verantwortung. Wer von seinem Wahlrecht keinen Gebrauch macht, überlässt anderen die Entscheidung über die eigenen Angelegenheiten."

Dass Probe-Wählen etwas bringt, lässt sich anhand der Bürgerschaftswahlen in Bremen statistisch belegen: In der Gruppe der Erstwähler, die sich zuvor an der Juniorwahl beteiligt hatten, gaben besonders viele auch am echten Wahltag ihre Stimme ab - und auch ihre Eltern beteiligten sich wieder an den Landtagswahlen. "Vorurteile gegenüber einer Wahl werden mit politischer Bildung aufgehoben", betont Wolff.

An der Juniorwahl teilnehmen können Schulen bundesweit sowie deutsche Schulen im Ausland ab der siebten Klasse. Gewählt werden kann im Politikunterricht, aber auch in Fächern wie Deutsch und Geschichte. Auf der Webseite www.juniorwahl.de finden sich mehr Informationen und das Bewerbungsformular. Interessierte sollten schnell sein. Es gibt zwar keinen Bewerbungsschluss, insgesamt können aber nur 2500 Schulen mitmachen.Laura Heyer/eb

Aus Politik und Zeitgeschichte

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