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Alexander Weinlein

Bis zu Donald Trumps Präsidentschaft ist Timothy Snyder, Professor für osteuropäische Geschichte an der Yale Universität, nie durch politische Statements aufgefallen. Einen Namen machte er sich - auch in Deutschland - vor allem mit seinen Büchern "Bloodlands" und "Black Earth" über den Holocaust und Massenmorde während des Stalinismus. Doch kurze Zeit nach der Präsidentschaftswahl in den USA schrieb er bereits einen Artikel, in dem er den Aufstieg Adolf Hitlers beschrieb ohne dessen Namen zu nennen und der starke Assoziationen mit Trump hervorrief.

Timothy Snyder sorgt sich um nicht weniger als die Standfestigkeit der amerikanischen Demokratie. Jetzt hat er einen schmalen Band publiziert, in dem er seine Landsleute vor einem Abgleiten in die Diktatur warnt und ihnen 20 Verhaltensregeln zum Widerstand an die Hand gibt, um dies zu verhindern. Doch was heißt schon Widerstand? Snyder beschwört weitestgehend allgemeingültige Bürgerrechte und Bürgerpflichten sowie Verhaltensweisen aufgeklärter Menschen, die ein Abgleiten in die Tyrannei verhindern sollen. So trifft der amerikanische Orginaltitel "Über Tyrannei. 20 Lektionen aus dem 20. Jahrhundert" auch viel besser den Kern seines Buches. Immer wieder rekurriert Snyder auf den Nationalsozialismus und Stalinismus, die er wie schon in seinem Buch "Bloodlands" als wesensverwandt beschreibt.

Die Grundbotschaft, die Snyder seinen Lesern nicht nur in den USA auf den Weg gibt, heißt Verantwortung. Diese müssten die Bürger für ihre demokratische Gesellschaft übernehmen. Der wahrscheinlich amerikanischste Rat lautet: Seit patriotisch! Und diesen nutzt er, um Trump eine durchweg unpatriotische und nationalistische Gesinnung zu attestieren. "Ein Patriot hingegen will, dass die Nation seinen Idealen entspricht, was bedeutet, dass er uns darum bittet, uns von unseren besten Seite zu zeigen." Es sind einfache Sätze, in die Snyder seine Botschaft kleidet. Es ist ihm zu wünschen, dass sie gehört und verstanden werden.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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