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Garnisonkirche
Helmut Stoltenberg
Der Kirchenbau und die Geschichte

Die Linke scheitert mit Bedenken gegen Wiederaufbau in Potsdam

An Bauwerken scheiden sich gerne die Geister, was oft an ihrer Architektur liegt, nicht selten aber auch an ihrer Geschichte. Letzteres gilt so grundsätzlich wie aktuell für die Potsdamer Garnisonkirche - im Zweiten Weltkrieg beschädigt und zu DDR-Zeiten abgerissen - über deren (Teil-)Wiederaufbau schon seit vielen Jahren gestritten wird. Als einstige Hof- und Militärkirche Preußens symbolisiere sie "die verhängnisvolle preußisch-deutsche Geschichte der Verknüpfung von Staat, Kirche und Militär", heißt es in einem Antrag der Linken mit dem Titel "Keine Beteiligung des Bundes am Wiederaufbau der Garnisonkirche Potsdam" (18/10061), den der Bundestag vergangene Woche gegen die Stimmen der Opposition ablehnte. Vor allem aber, argumentiert Die Linke darin, stehe die Kirche seit dem von der NS-Propaganda als "Tag von Potsdam" zelebrierten 21. März 1933 "für die Besiegelung des Bündnisses von ,deutsch-nationaler Reaktion und nationalsozialistischer Revolution'".

Bedeutender Barockbau An eine andere Sicht auf den Bau erinnert Johannes Kahrs (SPD); für ihn ist die Garnisonkirche "weit mehr als das Symbol, das die Nationalsozialisten daraus gern machen wollten": Sie gelte "als der bedeutendste Sakralbau des barocken Preußens und war das Wahrzeichen Potsdams. Sie prägte das Stadtbild", gab er im Bundestag zu Protokoll. Er halte es für richtig, "dass mit dem Wiederaufbau der Kirche ein Ort für Frieden und Versöhnung geschaffen werden soll, der die vielschichtige Vergangenheit des Ortes nicht leugnet, sondern sie richtig einordnet".

Kahrs zufolge wurden der Stiftung "Garnisonkirche" zwölf Millionen Euro des Bundes zugesagt, "wenn die restlichen Mittel für den Wiederaufbau des Turms durch Spenden gesichert seien". Nun wolle sie zunächst eine reduzierte Version des Turms bauen. Dem hätten die Berichterstatter der Koalition zugestimmt, aber klargestellt, dass sich der Bund an einer zweiten Bauphase nicht erneut beteiligen werde.

Rüdiger Kruse (CDU) attestiert der Garnisonkirche, sie sei "mit der Zeit des preußischen Militarismus und noch mehr mit der des Nationalsozialismus bedauerlich eng verbunden" gewesen. Zugleich lehnte er ab, dass Gebäude "dafür haften, was in ihnen passiert ist". Vielmehr habe man die Möglichkeit, "durch das Erhaltene oder auch das Wiederaufgebaute nicht zu vergessen und daraus zu lernen". Die "wiederaufgebaute Garnisonkirche" werde "nicht nur ein Erinnerungsort sein, sondern auch als Besinnungsort dienen können".

Norbert Müller (Linke) warnt dagegen, dass auch eine "neuaufgebaute Kopie" der Kirche für die "unsägliche Traditionslinie" des "preußisch-deutschen Militarismus und Nationalismus" stehen würde. Er verweist darauf, dass es nicht mehr um den Nachbau der kompletten Kirche, sondern "nur noch um den Bau des Turms" gehe. Sollte der Bund die zwölf Millionen Euro geben, wäre das geschichtspolitisch "völlig daneben" und städtebaulich unvernünftig.

»Lokaler Kirchenneubau« Auch Annalena Baerbock (Grüne) lehnt eine finanzielle Bundesbeteiligung ab. "Einer privaten Aufbauinitiative, die sich kritisch der Geschichte des Bauwerks stellt, stehen wir nicht im Wege", macht sie deutlich. Ihrer Fraktion sei aber "verschlossen geblieben", was "diesen lokalen Kirchenneubau gegenüber anderen Projekten so national bedeutsam macht, dass dafür Millionenbeträge aus dem Kulturhaushalt des Bundes bereitgestellt werden".

Aus Politik und Zeitgeschichte

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