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Gastkommentare - Contra
Ulrike Winkelmann, Deutschlandfuink
Unnötig und dumm

Härte gegenüber London?

Es gibt erstens keine Notwendigkeit, den Briten jetzt zur Scheidung von der EU ein kantiges Kinn zu zeigen, zweitens wäre es wahrscheinlich politisch blöd, drittens aber auch moralisch unangebracht.

Schon die Bemerkung Jean-Claude Junckers, die Briten würden nun eine "gesalzene Rechnung" bekommen, war albern. Der Brexit ist ein innenpolitisches Projekt Großbritanniens. Es hat mit Ehre und Vorurteilen zu tun. Jede Drohung von außen wird dort also genutzt werden, um die Schuld an der absehbaren Nichterfüllung der Brexit-Versprechen wiederum Europa in die Schuhe zu schieben: Seht, die Deutschen wollen uns bestrafen, weil ihnen die EU sonst auseinanderfällt. Wer erreichen will, dass die Briten ihre Zahlungsverpflichtungen einhalten, muss ihnen die Rechnung diskret servieren, nicht öffentlich um die Ohren hauen.

Wer nun eine harte Linie fordert, verkennt außerdem, dass die 27 verbleibenden EU-Staaten unterschiedliche Interessen haben. Spanien fürchtet um 18 Millionen britische Touristen. Die Steueroase Luxemburg will keine Zusatzkonkurrenz aus London. Und so weiter. Die EU könnte schnell aussehen wie der Patriarch mit der erhobenen Hand, dem gerade die Hose herunterrutscht.

Schließlich aber ist das Vereinte Königreich mit den anstehenden Multi-Verhandlungen genug gestraft. Nur weil dort Volksverführer einen unberechenbaren Prozess ausgelöst haben, darf sich Europa nicht von diesem großartigen und liebenswerten Inselreich abwenden. Im Gegenteil: Es gilt, Britannias Pro-Europäer, die Aufgeklärten, Toleranten zu unterstützen, die sich dem politischen Denken des 19. Jahrhunderts verweigern. Auf sie werden wir alle noch angewiesen sein.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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