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Aufgekehrt
Hans Krump
Deppen auf dem Vormarsch

Wo man hinschaut, überall Apostrophe. Ob Nadja's Nagelstudio oder Heike's Pilsstube, ob fit'es Sportstudio oder Cindy's Grill - der Deppenapostroph marschiert bei uns unentwegt und räumt jeden Widerstand hinweg. Längst freuen sich Apostroph-Hasser-Seiten im Internet großer Beliebtheit und listen die neusten Verstöße gegen deutsche Grammatik auf.

Was um Himmel´s Willen, pardon: Himmels Willen verleitet hierzulande so viele, das kleine hässliche Apostroph-Zeichen im Text derart lustvoll zu markieren? Ist es eine Rebellion tätowierter Unterschichten-Kreise gegen die elitäre Hochsprache der oberen Zehntausend? Oder steckt womöglich die feine englische Anmutung dahinter, ein Schuss mehr Internationalität im schrecklich grauen Deutschland?

Wir wissen es nicht. Aber es gibt Hoffnung. Denn überall formiert sich Widerstand. Erfreulich, dass es ihn vor allem im Ursprungsland des Deppen-Apostrophs gibt. So zieht im südenglischen Bristol seit 13 Jahren ein unbeirrbarer Grammatikwächter um die Häuser. BBC hat den Mann, der tagsüber Ingenieur sein soll, jetzt begleitet. Mit einem zweieinhalb Meter hohen Stab erreicht er Ladenschilder - und überdeckt falsche Apostrophe konsequent mit Aufklebern. "Amy's Nail's" war kürzlich so ein Vergehen an einem Geschäft, dessen Name überklebt wurde. "Falsche Apostrophe sind ein Verbrechen", lautet die Devise des eisernen englischen Sprachwächters.

In Deutschland wurden solche Aktivisten bislang noch nicht entdeckt. Kein Wunder, ist bei uns Grammatik doch eh´ egal. Längst dürfen an immer mehr Schulen hierzulande Schüler frei von der Leber so schreiben, wie sie hören und sprechen. Ein Fehler ist das nicht. Schließlich ist im Land der Dichter und Denker jeder hochbegabt. Hurra!

Aus Politik und Zeitgeschichte

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