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Gastkommentare - Pro

Klare Arbeitsteilung

Ist Weiterbildung Aufgabe des Staates?

D ie Wirtschaft wandelt sich rasant: 85 Prozent der deutschen Arbeitnehmer erwarten, dass zumindest Teile ihrer Tätigkeiten in den nächsten fünf Jahren automatisiert werden. Das erfordert lebenslanges Lernen, doch die Unternehmen reagieren zu zögerlich. Nur 21 Prozent der Beschäftigten sind zufrieden mit den Weiterbildungsangeboten ihrer Firmen.

Also muss der Staat einspringen und die Lücken schließen. Weiterbildung ist zu wichtig, um es dem Zufall oder Eigeninteresse der Firmen zu überlassen, ob sie die nötigen Kurse anbieten.

Bisher gilt: Die Firmen fördern vor allem qualifizierte und junge Mitarbeiter, weil dort die Bildungsrendite, betriebswirtschaftlich gesehen, am höchsten ist. Ältere und Ungelernte gehen meist leer aus und erhalten keine Kurse.

Dieses betriebswirtschaftliche Kalkül ist volkswirtschaftlich sehr teuer. Zu viele Menschen werden bei der Digitalisierung abgehängt. Für den Staat ist es daher billiger, in die Weiterbildung zu investieren - als später die Arbeitslosigkeit der Fehlqualifizierten zu finanzieren.

Auf den ersten Blick mag es wie eine Subvention der Firmen wirken, wenn der Staat in die Weiterbildung einsteigt. Aber dieser Einwand verkennt, wie Kapitalismus funktioniert. Die Unternehmen organisieren ja auch nicht Schule oder Universität - obwohl sie direkt von dem Wissen profitieren, das sich ihre Angestellten dort angeeignet haben.

In Deutschland hat sich eine klare Arbeitsteilung herausgebildet: Der Staat übernimmt fast die gesamte Bildung - und die Firmen zahlen indirekt dafür, indem sie Unternehmenssteuern abführen. Dieses System sollte man auch auf das lebenslange Lernen ausdehnen.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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