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Witwenrente
Susanne Kailitz
»Ich bereue nichts«

Von der Selbsthilfe zur Hilfe für andere

Wann sie eigentlich angefangen hat, sich Gedanken um die Rente zu machen? Da muss Margit Weil (Name geändert) überlegen. "Ich glaube, erst sehr spät. Meine Generation hatte mit 30 oder 40 das Thema Alterssicherung noch nicht auf dem Schirm. Wenn ich heute sehe, wie präsent das Thema für meinen Sohn und meinen Schwiegersohn ist, frage ich mich schon, ob das nicht ein Fehler war."

Dennoch: Die 68-Jährige bereut nichts. Nicht, dass sie nach der Geburt ihres Sohnes drei Jahre komplett aus dem Beruf ausgestiegen ist und auch nicht, dass sie danach nur in Teilzeit gearbeitet hat. "Mein Mann war damals Zeitsoldat, deshalb mussten wir oft umziehen. Ich habe meinen Beruf als Verlagskauffrau zwar geliebt, bin aber auch gern mit meinem Mann gegangen, selbst wenn das bedeutet hat, dass es karrieremäßig eher bergab ging."

Dass sie nach der Familiengründung immer nur Teilzeit gearbeitet hat, sei total normal gewesen. "Mit Kindergärten oder einer Betreuung nach dem Unterricht sah es damals ja nicht wirklich gut aus. Das bedeutete, dass unser Sohn höchstens bis mittags betreut wurde. Ich denke auch heute noch: Wenn man ein Kind bekommt, dann muss man viele Dinge einfach selbst machen und kann das nicht an Lehrer oder Erzieher auslagern." Für ihre Familie sei dieses Lebensmodell am besten gewesen, sagt Weil.

Mit 58 Jahren wurde sie Witwe. Der Tod ihres Mannes habe sie in ihren Grundfesten erschüttert, sagt sie. Dass ihr Mann nach der Bundeswehr-Zeit lange Zeit als Selbständiger nicht wirklich gut verdient hatte, wirkt sich bis heute auf ihr Einkommen aus. Knapp 620 Euro Hinterbliebenenrente bekommt sie - ohne die eigenen Rentenansprüche von einigen hundert Euro aus ihrer Teilzeitbeschäftigung könnte sie davon nicht leben.

So reicht es, auch wenn ein kaputtes Haushaltsgerät oder eine Zahnkrone eine Herausforderung darstellt. Um in der Nähe ihres Sohnes zu sein, lebt Margit Weil nun in einer kleinen Wohnung im Speckgürtel von Frankfurt/Main. Nicht ganz so schön wie früher: "Aber das ist in Ordnung. Mir waren im Leben immer andere Dinge wichtig als Geld - das ist bis heute so."

Doch wirklich fair findet sie die Absicherung von Menschen, die ihren Partner verloren haben, nicht. Nach dem Tod ihres Mannes sei sie auf das Forum verwitet.de gestoßen, erzählt Weil. "Mich dort mit Menschen in der gleichen Lage auszutauschen, war ein wesentlicher Grund, warum ich weitermachen konnte." Heute berät sie als Mentorin andere Verwitwete - und stellt immer wieder fest: "Wer plötzlich alle laufenden Kosten allein stemmen muss, der hat, wenn dann höchstens 55 Prozent der Rente des Partners gezahlt werden, ein großes Problem." Und das wird vor allem bei Lebensmodellen wie dem in ihrer Generation üblichen dann in der Rente nur noch größer.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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