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Vor 50 Jahren...
Benjamin Stahl
Ein Schuss wird zum Fanal

2.6.1967 Schah-Besuch in Westberlin Gegen Hochschulreform, Vietnamkrieg oder Apartheidregime Südafrikas: Die Proteste von Studenten in Westberlin waren lange friedlich verlaufen. Bis zum 2. Juni 1967. Bei einer Demonstration gegen den Schah von Persien wurde der Student Benno Ohnesorg von einem Polizisten erschossen. Der Schuss gilt als Fanal für die junge Bundesrepublik.

Bereits am 27. Mai war Schah Mohammed Reza Pahlavi mit seiner Frau Farah in Köln/Bonn gelandet. Neun Tage bereiste das bei der Boulevard-Presse beliebte Paar auf Einladung von Bundespräsident Heinrich Lübke das Land - begleitet von ihnen wohlgesonnenen Politikern und Protesten. Dass das Schah-Regime Gegner verfolgte, folterte und ermordete, war vielen bewusst. Schon beim Empfang in Berlin am 2. Juni riefen Demonstranten vor dem Schöneberger Rathaus "Schah, Mörder". Anhänger des Diktators schlugen auf sie mit Latten ein. Später eskalieren die Proteste weiter: Tausende Menschen versammelten sich am Abend vor der Deutschen Oper, wo der Schah und Lübke Mozarts "Zauberflöte" hörten. Erneut gingen Anhänger des Schahs gegen die Demonstranten vor. Unterstützt von der Berliner Polizei. Der Schuss auf den 26-jährigen, unbewaffneten Ohnesorg markiert für viele Historiker eine Zäsur. In vielen gesellschaftlichen Bereichen kamen Bürgerbewegungen auf. Die Studentenrevolte erhielt Zulauf und radikalisierte sich. Und schließlich entstand die linksterroristische RAF, die die Bundesrepublik ein Jahrzehnt in Atem halten sollte.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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