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BILDUNG
Alexander Weinlein
Kinderloser Nachwuchs

Der wissenschaftliche Nachwuchs in Deutschland leidet unter einer schlechten Vereinbarkeit von Familie und akademischer Karriere. Gründe dafür sind vielfach unsichere Berufsperspektiven und problematische Beschäftigungsverhältnisse. Dies ist eine der zentralen Themen des "Bundesberichts Wissenschaftler Nachwuchs 2017" (18/12310), über den der Bundestag in der vergangenen Woche erstmalig debattierte.

Die derzeitige Wissenschaftspolitik sei "familienfeindlich", befand Nicole Gohlke (Linke). Wissenschaftler an Universitäten blieben im Schnitt doppelt so häufig kinderlos wie der Durchschnitt aller Hochschulabsolventen. Dies sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass im Jahr 2014 rund 93 Prozent des wissenschaftlichen Nachwuchses unter 45 Jahren nur über eine befristete Anstellung verfügten. In diesem Sinne argumentierte auch Kai Gehring (Grüne). Das "Befristungsunwesen" in der Wissenschaft müsse bekämpft werden.

Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) hielt dagegen, dass von Befristungen vor allem Promovierende betroffen seien. Nach der Promotion wechselten die meisten in eine Vollbeschäftigung. Zudem habe der Bund in dieser Legislatur erstmals Gelder zur Verfügung gestellt, um 12.000 bis 15.000 unbefristete Stellen an den Hochschulen zu schaffen. Alexandra Dinges-Dierig (CDU) sagte, mit dem Wissenschaftszeitvertragsgesetz habe die Koalition unangemessen kurzen Zeitverträgen einen Riegel vorgeschoben. Simone Raatz (SPD) mahnte trotzdem, Bund und Länder müssten enger kooperieren und nicht nur Kompetenzen hin und her schieben.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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