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Alexander Weinlein
Kein Nischenproblem

Hilfe für Kinder psychisch erkrankter Eltern

Eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe soll Vorschläge zur Verbesserung der Situation von Kindern und Jugendlichen psychisch erkrankter Eltern erarbeiten und die Auswirkungen und Möglichkeiten des Präventionsgesetzes überprüfen. Einen entsprechenden gemeinsamen Antrag von CDU/CSU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen (18/12780) verabschiedete der Bundestag am vergangenen Donnerstag mit den Stimmen aller Fraktionen.

An der Arbeitsgruppe sollen die Bundesministerien für Familie, Arbeit und Gesundheit sowie relevante Fachverbände und -organisationen beteiligt werden. Die Arbeitsgruppe soll unter anderem Schnittstellen zwischen den unterschiedlichen Sozialgesetzbüchern identifizieren, um alle bereits bestehenden Hilfsangebote möglichst effektiv ausschöpfen zu können. Ihren Abschlussbericht soll die Arbeitsgruppe bis spätestens 1. Juli 2018 dem Bundestag vorlegen.

Nach Angaben des Unionsabgeordneten Eckhard Pols (CDU) leben in Deutschland schätzungsweise drei bis vier Millionen Kinder und Jugendliche bei mindestens einem vorübergehend oder dauerhaft psychisch erkrankten Elternteil. Zwar führe eine psychische Störung nicht zwangsläufig zu einer eingeschränkten Erziehungskompetenz, aber "Statistiken besagen, dass Kinder von psychisch kranken Eltern ein drei- bis vierfaches Risiko haben, selber psychisch zu erkranken", sagte Pols. Eine besondere Belastung entstehe durch die Tabuisierung psychischer Erkrankungen, was Isolation und Ausgrenzung der Kinder zur Folge haben könne. Hinzu kämen oftmals finanzielle Probleme, Desorientierung, sozialer Rückzug, Ängste und Schuldgefühle.

Die SPD-Parlamentarierin Ulrike Bahr betonte, dass dies "keine Nischenprobleme" seien. Im Antrag werde deshalb ein dreistufiges Vorgehen gefordert: Erstens müsse der Stigmatisierung psychisch Erkrankter entgegengewirkt werden, zweitens müssten alle Fachleute, die mit Kindern und Eltern arbeiten, entsprechend fortgebildet und drittens kindgerechte Informationsmaterialien zur Verfügung gestellt werden. Die betroffenen Kinder "brauchen ein starkes soziales Umfeld und fachlich qualifizierte Hilfe und sind auf Versorgung angewiesen", sagte Bahr.

Beate Walter-Rosenheimer (Grüne) bezeichnete die Einrichtung der Arbeitsgruppe als "wichtiges Etappenziel". Diese könne einen Rahmen setzen, "um die Situation der betroffenen Kinder und deren Familien wirklich grundsätzlich zu verbessern". Die Probleme seien sehr komplex und einfache Antworten fehl am Platz. Es sei ein langer Weg gewesen, den interfraktionellen Antrag auf den Weg zu bringen. Die Kinderkommission des Bundestages habe bereits 2013 auf den Handlungsbedarf hingewiesen, führte die Parlamentarierin an.

Für die Linksfraktion, die dem Antrag ebenfalls zustimmte, monierte Birgit Wöllert, dass das "ideologische Dogma der CDU/CSU-Fraktion" es verhindert habe, die bisherige gemeinsame sachorientierte Arbeit auch zu einem gemeinsamen Antrag aller Fraktionen zu führen. Ein solches Dogma sei "peinlich", sagte die Linken-Abgeordnete.

Aus Politik und Zeitgeschichte

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