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Filmpremiere
Eva Bräth
Kindheitstraum

Mit einem Staraufgebot bringt »Applaus für Felix« Kindern den Bundestag und die Demokratie näher

Das ist mein Büro? Wie cool!", ruft Felix und betrachtet verzückt den schicken Anzug im Spiegel. Er fläzt im bequemen Bürostuhl, die Beine auf dem Schreibtisch. Die Begeisterung legt sich aber recht schnell. "Der Vormittag ist pickepackevoll", unterbricht Büroleiterin Frau Gerstenmaier die scheinbare Idylle.

Gerade noch im Schulunterricht, plötzlich in der Limousine auf dem Weg zum Bundestag. Das erlebt der zwölfjährige Felix, Protagonist des neuen Kinderfilms des Deutschen Bundestages. In "Applaus für Felix" gelangt der Schüler in einem Tagtraum nach Berlin ins Parlament, wo er sich als Abgeordneter bewähren muss. Der mit Uwe Ochsenknecht, Friederike Kempter und Jungschauspieler Maximilian Ehrenreich prominent besetzte Streifen feierte auf dem Kinderfilmfestival "Goldener Spatz" Mitte Juni seine Premiere. Rund 600 Schüler verfolgten dort gespannt die Erlebnisse von Felix.

Voller Terminkalender Parlamentarisches Frühstück um 10 Uhr, ein Telefontermin um 11 Uhr, Mittagessen mit Herrn Dr. Schneider um 12 Uhr - "den Nachmittag habe ich freigehalten, damit Sie Ihre Rede im Plenum vorbereiten können". Als Felix das hört, überkommt ihn ein Gefühl der Panik. "Ich habe in der Schule bisher nur Referate gehalten", sagt er und flieht unter einem Vorwand aus dem Büro. In einem Ausschusssaal trifft er auf den Saaldiener Herr Renger und vertraut sich ihm an: "Ich weiß noch nicht einmal, was ein Abgeordneter alles so macht." Da kann Herr Renger helfen: Er erklärt ihm, wie die gewählten Repräsentanten in Fraktionen, Ausschüssen und Wahlkreisen arbeiten - und er lotst den Schüler über die Brücken und durch die unterirdischen Gänge des "Labyrinthes Bundestag". "Russische Schriftzeichen an den Wänden des Reichstagsgebäudes?", ist Felix überrascht. Auch darauf weiß der Saaldiener eine Antwort und erzählt die bewegte Geschichte des Parlamentssitzes. Hinterher jagt ihnen unermüdlich Frau Gerstenmaier. Auf der Kuppel entflieht Felix ihr gerade noch einmal knapp.Kurz später hat er weniger Glück, so dass er schließlich doch am Rednerpult des Plenums stehen muss.

Politik kindgerecht erklärt Politische Bildung für Sieben- bis Zwölfjährige, die mit einer Mischung aus Spielfilm und animierten Erklärsequenzen alles andere als trocken daherkommt - das ist das Konzept des Kurzfilms, den Regisseur Matthias Eder in Zusammenarbeit mit dem Referat Öffentlichkeitsarbeit der Bundestagsverwaltung entwickelt hat. Was ist Demokratie? Wer darf als Volksvertreter gewählt werden? Wie trifft man demokratische Entscheidungen? Auf diese Fragen gibt "Applaus für Felix" kindgerechte Antworten - und möchte den Zuschauern Lust darauf machen, sich in der Schule oder am Wohnort selbst einzumischen. Demokratie lebt davon, dass man sich beteiligt", sagt Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Die Linke) bei der Präsentation des Films. Sie wünsche sich, dass die Geschichte dazu anrege, Abgeordnete anzusprechen und nach ihren Entscheidungen zu fragen.

Ungewöhnliche Fragen Und das funktioniert, wie sich auf der Filmpremiere in Erfurt zeigt: Das Publikum spendet nicht nur tosenden Applaus, sondern stellt auch Fragen, die Politiker nicht so oft zu hören bekommen. "Was war Deine schlechteste Schulnote", fragt beispielsweise ein Grundschüler den thüringischen Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke). "Sind eigentlich alle Länder demokratisch?", "Arbeiten Politiker auch im Ausland?", möchten seine Mitschüler wissen. Von Politikverdrossenheit ist nichts zu spüren.

Auch die Schauspieler haben bei den Dreharbeiten einiges gelernt, erzählen die Hauptdarsteller Ochsenknecht und Ehrenreich. Der Nachwuchsschauspieler spricht begeistert von den vier Drehtagen im vergangenen Sommer, die zugleich sein erster Besuch im Bundestag waren. Besonders in Erinnerung hat der 14-Jährige die Aufnahmen im Plenarsaal, zu dem normalerweise nur die Abgeordneten Zutritt haben. "Wenn man nicht gerade in einem Film mitspielt, kann man nur auf die Besuchertribünen. Richtig in den Plenarsaal hineinzugehen war deshalb eine große Ehre für mich, es ist ein besonderer Platz", sagt er. Ob er später gern Politiker wäre? Darüber habe er früher einmal nachgedacht. "Das ist schon ein spannender Job - aber auch sehr stressig!" Ochsenknecht pflichtet bei: "Politiker haben einen strammen Terminplan und die Arbeit ist mit sehr viel Verantwortung verbunden." Er habe großen Respekt vor der Arbeit von Abgeordneten. "Ich glaube, da wäre ich einfach auch nicht fleißig genug."Eva Bräth

"Applaus für Felix" ist in der Mediathek sowie auf dem Youtube-Kanal des Bundestages abrufbar. Die DVD ist kostenfrei erhältlich (www.btg-bestellservice.de).

Aus Politik und Zeitgeschichte

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