Inhalt

Gastkommentare - Pro
Eva Quadbeck, "Rheinische Post", Düsseldorf
Der Realität folgen

Überfällige Entscheidung?

D ie Zeit ist reif, dass die staatliche Ehe auch für Homosexuelle geöffnet wird. Die Gesellschaft hat sich in der Akzeptanz der Lebensform gleichgeschlechtlicher Paare in den vergangenen 20 Jahren erheblich gewandelt. Sie ist offener, toleranter, respektvoller und selbstverständlicher im Umgang mit Homosexualität geworden. Mittlerweile ist die Realität der Gesetzgebung in dieser Frage voraus. Jugendämter vertrauen selbstverständlich gleichgeschlechtlichen Paaren Pflegekinder an. Die Sukzessivadoptionen sind nur noch ein kleiner juristischer Umweg zur Volladoption.

Ansonsten hat das Bundesverfassungsgericht mit seinen Urteilen dafür gesorgt, dass nahezu politische Realität geworden ist, was eine Mehrheit der Bevölkerung längst für richtig hält: die Gleichstellung der eingetragenen Lebenspartnerschaften. Es ist also konsequent und richtig, wenn der Gesetzgeber nun den letzten kleinen Schritt geht.

Gegner der Öffnung der Ehe, die sich auf religiöse Gründe berufen, übersehen, dass es in der Debatte allein um die standesamtlich geschlossene Ehe geht. Die Kirchen können, sollen und müssen ihre eigene Position bestimmen. Am Ende ist diese Reform auch ein wichtiges Symbol der Toleranz und ein starkes Argument gegenüber jenen, von denen wir verlangen, sich in unsere Gesellschaft zu integrieren. Die Öffnung der Ehe für Homosexuelle ist eine Werte-Entscheidung unserer modernen aufgeklärten Gesellschaft. Kinder werden dadurch nicht weniger und nicht mehr geboren.

Die Ehe wird auch mit ihrer Öffnung für Homosexuelle ihren Wert als Bund fürs Leben, als Lebensentscheidung zweier Liebender, als ein Bekenntnis gegenseitiger Verantwortung und Achtung behalten. Was denn sonst?

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2016 Deutscher Bundestag