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Aufgekehrt
Claudia Heine
Frösche und Sümpfe

Von einem bundesdeutschen Gericht ist hier keine Zustimmung zu erwarten - aber wer den Sumpf trockenlegen will, darf auch nicht die Frösche fragen." Das sagte der Chef der Bayernpartei schon vor Jahren. Aus Mangel an Alternativen mussten aber leider doch die "Frösche" gefragt werden. Und die entschieden sich, erwartungsgemäß, für den Sumpf: Die Karlsruher Verfassungsrichter entschieden nämlich in der vergangenen Woche, dass eine Volksabstimmung über den Austritt Bayerns aus der Bundesrepublik unzulässig ist. Vorerst werden die Bayern also weiter als Teil Restdeutschlands ihr Dasein fristen. Zu allem Überfluss müssen sie auch weiter das Berliner Abitur anerkennen. Das ist bitter.

Dabei kann man von Preußen durchaus etwas lernen, wenn es um das Trockenlegen von Sümpfen geht. Hat doch Friedrich II. - getreu dem Motto "sei doch kein Frosch" - im 18. Jahrhundert erfolgreich das Oderbruch entwässert. Hätte dieses Vorbild nicht einen Haken, es wäre gar zu schön: Denn nachdem das Oderbruch erfolgreich im Trockenen lag, betätigte sich Friedrich gewissermaßen als offenherziger Integrationsminister und lockte tausende Österreicher, Franzosen und Pfälzer mit Steuervergünstigungen und dem Versprechen auf Religionsfreiheit in die menschenarme Region. Vielleicht sollte die Bayernpartei das nächste Mal nicht die Frösche, sondern die Wähler fragen. Obwohl auf die auch kein Verlass ist. Wenn die Preußin Merkel bei CSU-Anhängern schon beliebter ist als deren eigener Parteichef, heißt das nichts Gutes für die bayerische Sache. Oder gerade doch? Treibt Merkel gar heimlich die Abspaltung Bayerns voran? Wer könnte ihr das verdenken?

Aus Politik und Zeitgeschichte

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