Inhalt

JAN HUS
Claus Peter Kosfeld
Böhmischer Gelehrter

Der Prager Reformer rügte den Kirchenprotz

Als Kirchenkritiker und Reformator hat Jan Hus (1372-1415) schon hundert Jahre vor Luther die allmächtige Katholische Kirche und ihre Rituale öffentlichkeitswirksam infrage gestellt. Der Gelehrte, der an der Universität Prag Vorlesungen in Religion hielt und später kurzzeitig auch Rektor der Universität wurde, setzte sich für eine verständliche Sprache und für Sprachbildung ein. Wie später Luther wollte auch der Mann aus Böhmen, dass die einfachen Leute in der Lage wären, die Bibel zu lesen und daraus Schlüsse zu ziehen. Dazu vereinfachte er unter anderem die Rechtschreibung in seinem Land. Hus hörte durch den befreundeten Hieronymus von Prag (um 1379-1416) von der Lehre des englischen Reformators John Wyclif (vor 1330-1384) und identifizierte sich stark mit dessen Kritik am materiellen Besitz der Kirche, an der verbreiteten Korruption und dem Ablasshandel. 1400 wurde Hus zum Priester geweiht und predigte oft in der Bethlehemskapelle, einer für Prager Verhältnisse schlichten Kirche. Jan Hus fand zahlreiche Gefolgsleute, allerdings hauptsächlich in seinem Heimatland.

Nach offiziellen Beschwerden über seine Predigten wurde Hus 1410 verbannt, was in Prag zu Unruhen führte. Schließlich musste Hus flüchten und kam in einem Schloss befreundeter Adeliger unter. 1413 verfasste Hus die Schrift "De Ecclesia" (Über die Kirche), in der er Hierarchien infrage stellte und Christus als einziges Oberhaupt der Kirche bezeichnete. 1414 musste sich Hus wegen des Vorwurfs der Ketzerei vor dem Konstanzer Konzil rechtfertigen und lehnte es ab, seine Ansichten zu widerrufen. Daraufhin wurde er auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Nach seinem Tod gewann die Hussiten-Bewegung starken Einfluss, es kam zu den Hussitenkriegen. In Prag erinnert ein Denkmal an Jan Hus.

Aus Politik und Zeitgeschichte

© 2016 Deutscher Bundestag