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Initiative
Julia Haak
Drei Religionen unter einem Dach

In Berlin wollen Juden, Christen und Muslime ein gemeinsames Bethaus bauen

Ein Blick auf die Internetseite verrät den aktuellen Spendenstand. "4.333.340 Euro" waren es an Neujahr. Das ist schon etwas. Auch wenn ein paar größere Förderzusagen von staatlichen Institutionen dabei sind - offenbar vertrauen eine Menge Menschen der Idee, am Petriplatz in Berlins historischer Mitte eine große Idee zu verwirklichen. Drei Religionsgemeinschaften wollen dort das "House of One" errichten. Das soll ein gemeinsames sakrales Gebäude für Christen, Muslime und Juden sein. Drei Religionsgemeinschaften wollen sich unter einem Dach verbinden. Im Namen dieser Religionen schlagen sich Menschen an vielen Orten der Welt die Köpfe ein.

Es ist mühsam, eine Vision wahr werden zu lassen - zumal als gebauten Raum. Aber in Berlin soll ja auch etwas weltweit Einmaliges entstehen: ein Haus, das gleichzeitig Synagoge, Kirche und Moschee ist. Für jede der drei Religionen soll es in dem 40 Meter hohen Gebäude je einen sakralen Raum geben. In der Mitte soll ein Raum der Begegnung entstehen. So kann es ein Haus des Gebets und Austauschs über die Religionen werden - offen auch für Menschen, die nicht glauben.

Bisher braucht man freilich auch etwas Glauben daran, dass aus dem Projekt etwas wird. Der Bauplatz an der Gertraudenstraße ist eine staubige Brache an einer stark befahrenen Verkehrsachse. Es gibt ein Modell des Hauses und es haben bereits einige öffentlichkeitswirksame Termine stattgefunden. Die Vision eines friedlichen Zusammenspiels der drei großen monotheistischen Religionen auf dem Petriplatz wächst aber bisher nur virtuell. Die Initiatoren brauchen 12,5 Millionen Euro, um mit Bauphase 1 beginnen zu können.

Im August hatte Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) eine Förderzusage des Bundes in Höhe von 2,2 Millionen Euro gemacht. Schließlich handele es sich um ein Projekt für Integration und Dialog, so die Ministerin. Weitere 1,1 Millionen kommen aus Mitteln des Landes Berlin. Der Bundestag will 800.000 Euro geben. Insgesamt müssen aber 42 Millionen Euro zusammen kommen. Auf eine solche Summe wurden die Baukosten für dieses Projekts veranschlagt. Und es soll aus Spenden finanziert werden. Planungen für das Projekt laufen seit Jahren. Ein internationaler Architektenwettbewerb wurde abgeschlossen, der Entwurf des Büros Kuehn Malvezzi preisgekrönt.

Zu dem Projekt haben sich die evangelische Gemeinde St. Petri-St. Marien, von der die Initiative ausging, die Jüdische Gemeinde zu Berlin, im Verbund mit dem Rabbinerseminar Abraham-Geiger-Kolleg, und die zur Bewegung des in der Türkei verfemten Predigers Fethullah Gülen zählende muslimische Dialoginitiative Forum Dialog zusammen getan. Sie gründeten den Verein Bet- und Lehrhaus Petriplatz. Am Hausbau kann sich jeder beteiligen. Kleinstspender können auf der Internetseite (house-of-one.org.de) einen Ziegelstein für zehn Euro kaufen. Mit einer weltweiten Kampagne wird auch von Großspendern Geld gesammelt.

Die Autorin ist Redakteurin der "Berliner Zeitung".

Aus Politik und Zeitgeschichte

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