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Aufgekehrt
Sören Christian Reimer
Mit den Waffen einer Frau

Bei den Tschechen stehen im Herbst Wahlen an und der Nachbarstaat schickt sich nicht zum ersten Mal an, ein Feuerwerk des Skurrilen abzufeiern. Ein Beispiel dafür liefert Barbora Haskovcová. Die dreifache Mutter ist Kandidatin für ein Regionalgremium der Kleinstpartei "Nationale Ordnung". Die Partei hat offenbar starke Angst vor vermeintlicher Überfremdung und will daher die Bürger bewaffnen und die Grenzen sichern.

Um ihre nicht sonderlich komplizierte Botschaft rüberzubringen, kam die Partei auf die Idee, aussagekräftige Fotos zu produzieren, die nun für einigen Wirbel in tschechischen Medien sorgten. Auf ihnen posiert Haskovcová mit ernster Miene vor einem Grenzübergang zur Slowakei - und hält ein schweres Sturmgewehr in der Hand. Eine klare Ansage - allerdings steckt die Dame dabei in einem latexartigen Kostüm. Das soll wohl kämpferisch wirken, aber in Kombination mit einem Make-Up, das den Maskenbildern der "Rocky Horror Picture Show" Freudentränen in die Augen treiben würde, wirkt es eher abschreckend - was ja irgendwie Sinn der Sache ist.

Allerdings sorgte bereits 2013 Gesichtsbemalung für Aufregung im tschechischen Wahlkampf. Mit dem Künstler Vladimir Franz trat ein Präsidentschaftskandidat an, dessen Körper quasi in Gänze mit Tattoos überzogen ist. Für Franz reichte es nicht zum Wahlsieg, doch mit dem Ergebnis der Wahl bewiesen die Tschechen trotzdem Humor. Amtsinhaber Milos Zeman kann in puncto Habitus und Unterhaltungswert den Vergleich mit US-Präsident Donald Trump und dem britischen Außenminister Boris Johnson locker aufnehmen. Und das ganz ohne Latex. Und ohne Tattoos.Sören Christian Reimer

Aus Politik und Zeitgeschichte

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